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Der Morgen · 1935-05-01 · Heft 2 (Mai 1935) · p. 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 2 (Mai 1935)
Article
[Rezension] / H. R.
Date
1935-05-01
Page
90 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
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IRI
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Ludwig Oppenheimer, Groß- und Kleinbetrieb in der Siedlung. Verlag Gustav Fisdier, Jena 1934 Das Manuskript des vorliegenden Werkes ist zur Hälfte bereits im Winter 1932/33 gedruckt worden, so daß nur im letzten Teil noch die Möglichkeit bestand, die grundsätzlichen Fragen, die sich aus der Praxis der nationalen Revolution neu für die ländliche Siedlung in Deutschland ergaben, zu berücksichtigen. Dessenungeachtet behält das Werk sein Verdienst, die weitverstreute Siedlungsliteratur seit Kriegsende zusammengetragen und systematisch übersichtlich verarbeitet zu haben. Oppenheimer hat an dieses Material die Sonde der Gedankengänge seines Vaters, Professor Franz Oppenheimer, sowie des „Bauernsozialisten" Proudhon herangetragen und sie mit den Lebensimpulsen zu vereinen gewußt, die ihm aus seiner eigenen Herkunft vom „Wandervogel" erwachsen waren. Ein zur Erörterung siedlungstechnischer Fachfragen geschriebenes Werk in der „Monatsschrift der deutschen Juden" anzuzeigen, liegt trotzdem ein innerer Grund vor. Es ist reizvoll zu betrachten, wie das Lebenswerk des Vaters im Sohn weiter wächst. Professor Franz Oppenheimer hatte als junger praktischer Arzt in den Proletariervierteln des Berliner Nordens die Lebenserfahrung gemacht, die für seine weitere Entwicklung bestimmend wurde, daß eine Fülle von Krankheiten der städtischen Bevölkerung nicht allein auf medizinische, sondern auch auf soziale Ursachen zurückgehe. Er hatte als die Quelle des Übels die Landflucht erkannt, die ihrerseits wieder aus der herrschaftlichen Verfassung der Latifundien des deutschen Ostens herrührte. Die landlose Landarbeiterschaft durch Verwurzelung bodenständig zu machen, erschien ihm daher als Ansatzpunkt für die Lösung der sozialen Frage in Stadt und Land überhaupt. Als technisches Mittel dazu schlug er die „Siedlungsgenossenschaft" vor, die mit einem aus Groß- und Kleinbetrieben kombinierten Landwirtschaftsbetrieb beginnen und aus der Verbindung der landwirtschaftlichen mit einer allmählich erstarkenden gewerblichen Bevölkerung die Siedlergemeinde der Zukunft hervorgehen lassen sollte. Vor dem Kriege hatte Professor Oppenheimer in Palästina (Merchawiah) einen ländlichen Siedlungsversuch auf genossenschaftlicher Grundlage begonnen; nach dem Kriege gab der Preußische Staat ihm die Möglichkeit, auf Domänen Versuche allmählicher Aufteilung und Besiedlung von landwirtschaftlichen Großbetrieben durch die gutsanwesende Landarbeiterschaft durchzuführen. Ludwig Oppenheimer berichtet in einem Anhang über die von der „Gemeinnützigen Siedlungs - Treuhand- G. m. b. H." als Siedlungsträger hierbei gemachten Erfahrungen. Dieser Anhang ist eine besonders reizvolle Beigabe zu seiner Arbeit, die sonst im wesentlichen nur die von Dritten gemachten Erfahrungen systematisiert und auswertet. Dem Verfasser wäre zu wünschen, daß er die von ihm begonnenen Untersuchungen über Gegenwartsfragen jüdischer Kolonisationspolitik fortsetzen und hier den unmittelbaren Ansatzpunkt für seine theoretische Einsicht und seine systematischen Kenntnisse finden möge. H.R. 90

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