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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Eine Handvoll Frühling [Rezension]
Date
1935-04-01
Page
48 (sequence 1)
Language
German
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Eine Handvoll Frühling Wenn man viele lange naßkalte Wochen lang nur Ernstes, nur Schweres, nur Aktuelles gelesen, durchdacht, diskutiert hat und dann über den neuen Roman von Alice B e r em d gerät, das leichtfertige Blau des Einbands mit dem seltsamen Titel „Rücksicht auf Marta" und dem Züricher Verlag, Rascher u. Cie., beargwöhnt, die Liebenswürdigkeit — man möchte fast Liebenswürde sagen — der ersten Seiten bestaunt, von der kleinbürgerlichen Welt, in der das spielt, trotzdem eingenommen, ja, noch von der Vergangenheit der Krise — lang ist es her — freundlich angemutet, Herrn Fritz Lehmann sympathisch findet, weil er seine Stellung verloren hat Das Maaßebuch 1602 erschien in Basel das Maaße- Buch, eine jüdisch - deutsche Geschichten-Sammlung, aus der wir die Welt unserer Ahnen rekonstruieren können, in der die Volksliteratur jener Zeit gipfelt, und von der man jetzt aus der von Ludwig Strauß schön übertragenen Auswahl der Schockenbücherei einen Begriff bekommt. Wer mehr als nur den Begriff haben will, lese „Das Ma'aßebuchi. Seine Entstehung und Quellengeschichte" von Dr. Jakob Meitlis (bei Rubin Maaß,, Berlin) eine exakte, saubere, lesbare Arbeit, die das ganze Gebiet gut beleuchtet, das Wesen der altjiddischen Sprache, der jüdischen Volksbücher entwickelt, die Entstehung des Maaßebuches erörtert, die verschiedenen Drucke und Handschriften vergleicht, das Wesen, die Komposition, die Motive und und es Marta und den Kindern verschweigt, weil er den Rest seiner Ersparnisse in Monte Carlo verspielt, zurückfährt und die alte Stellung wiederbekommt, wenn man also diese gar so happy endenden und doch nicht unwahrscheinlichen, nur eben gestrigen kleinen Leute und die garnicht mehr so humoristische, nur noch feiner, noch zarter und gütiger gewordene Pastellkunst Alice Berends wiedersieht, dann kommt man sich nach all der Strenge, Härte und Kälte wie im Frühling vor, noch nicht unter Mandelblüten, aber immerhin vor einem Fenster mit Hyazinthen, und im Vorgarten guckt schon der erste Goldregen über den Zaun. sch ihre Wandlung, die Herkunft der Stoffe und die Eigenart des anonymen Autors dieser Geschichten mit leidenschaftlicher Sachlichkeit darstellt. Was geht das alles uns an, was ist daran bemerkenswert? Zuerst einmal, daß solch eine ihr Gebiet erschöpfende Arbeit überhaupt existiert! Man darf einmal sagen, daß alles jüdische Wesen, die judische Geschichte, Literatur usw. eine ungeheure Marmorwüste ist. Es ist vielleicht der beste Marmor auf Erden, aber Block an Block unbehauen; wenn man sich als Mitbesitzer so unendlicher Marmorbrüche findet, die seit Jahr und Tag wüst und ungenutzt da liegen und wer weiß wann wirklich nutzbar sein werden, möchte man verzweifeln. Wenn man dann ein kleines Carrara so gut genutzt findet wie hier die Maaßebuch-Parzelle, wird einem schon ein bißchen wohler. L. H. 48

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