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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
Nichts für ungut
Date
1935-04-01
Page
46 (sequence 2)
Language
German
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Maimonides allerdings stand auf, dankte artig und entschuldigte sich, das Mahl nicht mitessen zu können, da er nicht wüßte, unter welcher Aufsicht die philosophische Küche stehe. Aber die anderen aßen schon ihm zu Ehren, er wollte nicht weiter stören und ging, während Leibniz einen langen Trinkspruch auf ihn begann, leise aus dem Saal. Draußen in den Vorhallen der Philosophie traf er einen alten Rabbi, der ihm natürlich eine Geschichte erzählte. Als mein lieber, gelehrter Sohn gestorben war, sagte er, war kh vor Erschütterung außerstande, ihm die Grabrede zu halten. Da erboten sich die Rabbiner der ganzen Provinz dazu. Sie kamen zum Begräbnis und hielten jeder eine große Rede. Als sie fertig waren, ging ich ans Grab meines Sohnes und rief: Mein Sohn! Das alles hast du still und stumm über dich ergehen lassen... jetzt weiß ich wahrhaftig, daß du tot bist! Das rief ich, schloß der alte Rabbi, aber warum halte ich euch mit solchen Geschichten auf! Habt Ihr nicht heut Euer Jubiläum? Nun, alles Gute für die nächsten achthundert Jahre! Nichts für ungut, Rabbi Maimuni! Leo Hirsch Hector Bolitho, Alfred Mond, first Lord Melchett. ÜbersetztvonW. Roth, Verlag Ludwig Nath, Wien 1935 Der junge Chemiker Alfred Mond wandert 1867 von Kassel nach England aus; das große chemische Werk, das er hinterläßt, erweitert sein Sohn Alfred zum größten englischen Industriekonzern; der Politiker, mehrfache Minister und als Lord Melchett Nobilitierte kehrt zum Judentum zurück und stirbt über Plänen des Palästina-Aufbaus. Hector Bolitho entwickelt diese beiden Lebensläufe aus einem bunten Mosaik von Familienbriefen, Zeitungsartikeln und Interviews und stellt sie in einen breiten Rahmen englischen politischen Lebens. Es ist erstaunlich, wie sehr einzelne Züge in Typ und Verhältnis des Vaters und des Sohnes an Emil und Walther Rathenau erinnern. Ludwig Mond ist eine klare wuchtige Natur; wenn er als junger Ehemann einen Glockenzug aus der Fabrik in sein Schlafzimmer legen läßt, oder später als kunstverständiger Hausherr eines römischen Palazzos bleibt er sich in seinem Wesen gleich. Walther Rathenau und Alfred Mond sind beide von so außergewöhnlicher Vielseitigkeit an Wissen, Talenten, Interessen, daß das Auge keine zusammenfassende Kontur mehr erblickt: zuviel Eigenschaften (und es brauchen sogar nicht einmal nur gute zu sein) verwirren, weil ein Schuß unbekümmerter Naivität fehlt, der die Väter vielleicht größer macht: er habe sich über die Wellen des Ozeans immer geärgert, sagt Alfred Mond einmal zu seinem Sohn, weil ihn die Energieverschwendung darin kränke . . . Obersetzung und Ausstattung der etwas breit geratenen Biographie lassen zu wünschen übrig: sie entsprechen weder an Reinheit der Sprache noch an Sorgfalt des Satzes den notwendigen Anforderungen. —a— £itofo*iddedce*t für den 10. Jahrgang zum Preise von RM. 22ö sind durch den PHILO VERLAG lieferbar. 46

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