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Der Morgen · 1935-04-01 · Heft 1 (April 1935) · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
11 (1935-1936)
Issue
Heft 1 (April 1935)
Article
[Rezension]
Date
1935-04-01
Page
45 (sequence 2)
Language
German
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sich Juden und Nichtjuden mit der Frage der Emanzipation nur noch an Krisenpunkten; für das tägliche Leben ist (oder schien wenigstens damals) die Frage erledigt. Dieses „normale" Leben, von dem sich die Krisenzeiten nur als außergewöhnlich abheben, fällt in seiner Briefauswahl wie in seinen Zwischenbemerkungen ganz unter den Tisch. Geradezu tendenziös aber wird die Auswahl von Herzls Auftreten ab: Die Jahre 1897—1922 werden, unter der Überschrift „Krise (!) der Emanzipation", allein mit Korrespondenzen von HerzI, Brandes, Gustav Landauer und Walther Rathenau bestritten, denen sich als Epilog ein Brief von Buber an Weltsch anschließt. Durften schon Mommsens und Virchows Briefe an Treitschke nicht fehlen, so ist es vollends nicht zu rechtfertigen, daß weder Hermann Cohens jüdische Wendung erwähnt noch der Name Franz Rosenzweigs auch nur genannt wird. Es fehlen weiterhin — um nur leicht zugängliche Briefe zu nennen — ganz Moritz Lazarus (etwa die Briefe an Cremieux über die Alliance Israelite und die Fürbitte für den kriegsgefangenen Fontane), Moritz Heimann, Jakob Wassermann und die Briefe von Heinrich Hertz über sein Elternhaus. Aber entscheidend bleibt, daß der Herausgeber eine lange Mühe durch diesen Mangel an Objektivität um die eigentliche Frucht gebracht hat. Hans Bach Nichts für ungut Die buntscheibige Schiebetür zum philosophischen Bankettsaal wurde vom diensttuenden Engel geöffnet, die Herren, die um den langen Tisch saßen, sahen auf, Aristoteles trat ein, blieb aber stehen, um einen anderen hineinzukomplimentieren, von dem man zunächst nur die Kopfbedeckung gewahrte, einen schönen Turban. Der Spießbürger!, rief Nietzsche zu Plato hinüber, der ihn erstaunt musterte: Wen meinst du, o Zarathustrides? Deinen Meister- und Musterschüler, den Aristoteles, spottete Nietzsche. Ich dachte, den Morgenländer, sagte der Grieche gelassen, aber der wird wohl auch so eine Art „Leser" sein wie sein Protektor hier. Ihr Herren vom Fach, begann Aristoteles, ich habe die Ehre, Euch Rabbi Maimonides vorzustellen (der neigte höflich den Kopf gegen die Herren), meinen jüdischen Schüler. Bei dem Wort Schüler hob Maimonides den Kopf wieder und runzelte die Brauen. Was kann schon an ihm sein, wenn er Aristoteles' Schüler ist, flüsterte Schopenhauer, und ein Jud dazu! Aufmerksam, doch weder ablehnend noch zustimmend sah Spinoza ihn an, während Meister Eckardt ziemlich laut sagte: Aber mein Meister ist er! und dann zu dem Turban hinüber: Grüß Euch Gott, Rabbi! Und Aristoteles fuhr fort: Unten feiert man jetzt den 800. Geburtstag des Rabbis. In Spanien, Ägypten, Palästina, Amerika hält man Reden über ihn, Bücher erscheinen. Wir hier oben verstehen nicht so viel davon wie die unten, aber wenigstens ein Festmahl ihm zu Ehren wollen wir essen. Meine Herren — 45

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