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Der Morgen · 1935-03-01 · Heft 12 (März 1935) · p. 569

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 12 (März 1935)
Article
[Rezension] / Reichmann, Hans
Date
1935-03-01
Page
569 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
spine
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IRI
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Gerson Stern, Weg ohne Ende. Ein jüdischer Roman. Erich Reiss Verlag, Berlin 1934 Dieses Buch will ein „jüdischer Roman" sein. Es tritt also mit dem Anspruch auf, das Schicksal jüdischer Menschen in seiner aus dem Judentum sich ergebenden Notwendigkeit . zu gestalten; ja, es wiE mehr: nicht um jüdische Einzelmenschen geht es, sondern um das typische Schicksal der jüdischen Gemeinschaft, die um ihres Jude-Seins willen leidet Die Juden gehen durch die Jahrhunderte ihren Weg, still, demütig, nur selten zweifelnd. Der Roman begleitet zwei ihrer Generationen, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Deutschland und Böhmen das wechselvolle Judengeschick erleben. Also ein kulturhistorischer Roman? Das ist er gewiß, und es verlohnt sich, ihn um der Fülle des Stoffes zu lesen, der verarbeitet ist: das Prager und Frankfurter Ghetto, Talmudisten und Kabbalisten, Schutzjudenwirtschaft und Vorboten der Aufklärung, Sturm auf das Prager Ghetto, und als trauriger Höhepunkt des dramatischen Geschehens die Judenaustreibung aus Prag. Es ist ein Erstlingsroman, aus heißem Herzen geschrieben, „ein Aufruf, wenn du ihn erhörst". Denn der Verfasser und seine Menschen sind eingebettet in eine tiefe jüdische Gläubigkeit, die nicht nach dem „Warum" fragt und den Weg ohne Ende in religiöser Gewißheit und deshalb sicher geht Der Romanruft alle auf, die sich verloren haben; er führt sie zurück zu den Quellen jüdischen Wissens, aus denen jüdischreligiöses Bewußtsein fließt. Gerson Stern ist Laie und es unterläuft ihm mancher Irrtum. Aber das ist nicht wesentlich. Hier schreibt jemand nicht nur, weil es ihm auf den Nägeln brennt, sondern weil er selbst glüht Deshalb verzeiht man auch die künstlerischen Mängel, die sonst schwer erträglich wären, und freut sich an mancher Szene von unmittelbarer Einprägsamkeit und historischer Kraft Das Buch will Roman, Geschichte und Aufruf sein. Den letzten Anspruch erfüllt es stärker als die beiden andern. Der jüdische Roman aber, für den die jüdischen Menschen dieser Tage aufgeschlossen wären wie nie zuvor, ist es nicht Kann nicht der große Erfolg dieses Erstlingsbuches den unbekannten jüdischen Dichter zum Werke rufen? H. R—n. Gedenkblatt für Julius Levin Es war so still um den Dreiundsiebzigjährigen geworden, der dem Fischer-Kreise angehörte, Freund Gerhart Hauptmanns und Hermann Stehrs, Moritz Heimanns und Oskar Loerkes war, daß erst jetzt die Kunde seines Ende Januar erfolgten Todes uns erreichte. In Elbing war er geboren, war Arzt geworden und Zeitungskorrespondent im Ausland, ehe er — spät — seinen ersten Roman veröffentlichte (1915): „Das Lächeln des Herrn von Golubice-Golubicki" (Verlag S. Fischer, Berlin). An diesen guten Unterhaltungsroman aus der polnischen Gutsbesitzer-und Kleinstadt-Welt denkt man bei Nennung seines Namens zunächst Überraschend unbekannt ist seine tiefste Schöpfung geblieben, der Roman „Zweie und der liebe Diesem Heft liegt ein Prospekt der Verlagsbuchhandlung Felix Meinel. Leipzig, über „Maimonides, Führer der Unschlüssigen" bei. 569

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