Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 12 (März 1935)
- Article
- Feste und Tage
- Date
- 1935-03-01
- Page
- 526 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Feste und Tage Weithin in der Welt wird in diesem Monat des 800. Geburtstages eines Mannes gedacht werden, der als großer Bewahrer geistiger Traditionen am Kreuzweg der antiken griechischen, der mittelalterlichen arabischen und der modernen abendländischen Kultur steht: des Maimonides. Der leidvolle Lebensweg dieses Emigranten aus dem noch islamischen Reich nimmt das Schicksal der spanischen Judenheit vorweg; und wenn heute der spanische Staatspräsident an der Spitze der spanischen Regierung in Maimonides* Geburtsstadt Cordova eine achttägige Feier rüstet, so ist das eine weltgeschichtliche Geste. Die bald 450 Jahre, die seit 1492 vergangen sind, sind eine lange Zeit, aber sie sind nicht zu lang, um die Folgen der damaligen Maßnahmen historisch zu übersehen. Nur freilich, von ähnlichen Rückbesinnungen der katholischen Kirche, die in manchen Fällen nach Jahrhunderten zur Kanonisierung führen, unterscheidet sich der vorliegende dadurch, daß ihr Objekt noch durchaus lebendig ist und als Partner an der Feier teilnehmen kann. So mag in Cordova das Jahr 1135 das Jahr 1492 überdecken; der ganz reale D-Zug aber, der den jüdischen Festredner aus Deutschland nach Spanien trägt, wird auch das Jahr 1935 mit 1135 verbinden, in einer Weise, der man weltgeschichtliche Paradoxie nicht absprechen kann. * In Deutschland scheint sich eine neue Aktivität in der Judenfrage anzukündigen. Propagandaminister Dr. Goebbels sprach, nach Zeitungsberichten, von der „harten Unerbittlichkeit der Bewegung in der Judenfrage", und auch andere Stimmen führender Vertreter von Partei und Staat weisen in die gleiche Richtung. Daneben sind Äußerungen anderer Nuancierung zu verzeichnen, die etwa von „wirtschaftlicher Gleichberechtigung der deutschen Juden" sprechen. Diese Verschiedenheit der Auffassungen deutet mindestens darauf hin, daß eine einheitliche, konstruktive Lösung der deutschen Judenfrage wieder in weitere Entfernung rückt. ♦ Wir kennen die Zukunft nicht und wissen nicht, was sie uns bringen wird. Doch man wußte das auch nicht, als das Purimfest eingesetzt wurde. Trotzdem hat über zwei Jahrtausende lang die Hoffnung nicht getrogen, daß immer wieder Geschlechter da sein würden, es zu feiern. H.B. 526