Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1935)
- Article
- Verteidigung der alten Bildungsgrundlagen [Rezension]
- Date
- 1935-02-01
- Page
- 518 (sequence 1)
- Language
- German
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Verteidigung der alten Bildungsgrundlagen „Wenn einmal der kategorische Imperativ in Deutschland nicht mehr vertreten wird, so möchte ich nicht auf der Eisenbahn fahren", so liest man in dem Buch von Rudolf Huch „Zwiegespräche" (Albert Langen— Georg Müller, München). In Gesprächen, die zwischen einem „Älteren" und einem „Jüngeren" stattfinden und die den Inhalt des Buches ausmachen, wird alles behandelt, was unsere Bildungsvergangenheit betrifft: Weimar, Preußentum, Christentum usw. Es fehlt nichts, was wichitig ist. Der vornehme Ton des Buches versöhnt mit seiner manchmal schulmeisterlichen Art und manchem nur leichthin Gesagten. Das Schulmeistern findet Huch notwendig. „Die jungen und jüngeren Leute sehen keineswegs schlecht aus, aber was man Köpfe nennt, die sind rar geworden — man begegnet verzweifelt sehen einem gebildeten Menschen heutzutage." Wie sehr das Schicksal des Christentums mit dem Schicksal der westlichen Bildung und Zivilisation verbunden ist, zeigt G. A.Gedatin dem Buch „Ein Christ erlebt die Probleme der Welt" (J. F. Steinkopf, Stuttgart). Dieses Buch liest man wie eine spannende Reisebeschreibung. Spenglersche Mahnungen: Asien droht, der Westen in Gefahr! macht sich hier ein christlicher Missionar zu eigen und zeigt, wie berechtigt diese Mahnungen sind. Störend sind nur die zwischendurch eingestreuten Formeln aus der dialektischen Theologie, die gerade bei einem, der sie aus zweiter und dritter Hand erhielt, offenbaren, daß zwischen der dialektischen Theologie und der marxistischen Geschichts- und Weltbetrachtung enge zeitgenössische Beziehungen bestehen. „Banken, Geschäftspaläste, Kirchen und andere ,kapitalistische Organisationen'", — so beschreibt Gedat das Gesicht der amerikanischein Großstadt. Trotzdem ist er ein guter Beobachter. Das Problem „christliches Abendland" hält die Nachdenkenden ganz gefangen. Greift man aber zu dem Buch „Zur Wiedergeburt des Abendlandes" von Gerhart v. Schulze- Gaevernitz (Edwin Runge, Berlin), so wird man enttäuscht. Mit solchen Mitteln können wir von Spengler nicht geheilt werden. I.M. Das Handwörterbuch der Soziologie Die Soziologie ist eine Krisenwissenschaft, die ihre Antriebe erstens aus der drängenden Forderung nach sozialer Neuordnung und aus der Problematik des zwischenmenschlichen Zusammenlebens empfängt und die zweitens die in der Alltäglichkeit gemachte Beobachtung, daß alle Kultur- und Geistgebilde neben anderen auch vom sozialen Faktor ab- und mit dem jeweiligen Gesellschaftszustand zusammenhängen, auf ihre Stichhaltigkeit prüft. Damit ist auch bereits die Aufgabe, der Rahmen und Inhalt des von A. Vierkandt herausgegebenen „Handwörterbuchs der Soziologie", Stuttgart 1931 bezeichnet. Diese Aufgabe ist außerordentlich gut gelöst Der durch die Wissenschaft gehende synthetische Zug, 518