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Der Morgen · 1935-02-01 · Heft 11 (Februar 1935) · p. 488

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 11 (Februar 1935)
Article
Bildung und Weltanschauung
Date
1935-02-01
Page
488 (sequence 8)
Language
German
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Ignaz May bäum: Die Legitimität des Geistes gegenüber dem Glauben Den Zusammenbruch des palästinensischen Judentums im Zeitalter des Hellenismus kann der jüdische Historiker auf folgende Formel bringen: Das Judentum wurde auf den Osten zurückgeworfen. Das bedeutet trotz der damit ausgedrückten Schicksalswende nicht, daß das Judentum seinen Geschichtsanteil am Westen verloren hätte. Er wurde in die Zeit der Geschichtslosigkeit hineingerettet und war die Kraft, die Geschichtslosigkeit zu überdauern. Das babylonische Judentum der Amoräer, also die Zeit vor der Abfassung des Talmuds und auch die darauf folgenden Jahrhunderte, sind geistig nicht durch die einen Ostraum Idarstellende (Schluß von Seite 487) schlägt, der nicht schon in seiner Art die Art des Zieles darstellt, wird es verfehlen, so starr er es im Auge behielt; das Ziel, das er erreicht, wird nicht anders aussehen als der Weg, auf dem er es erreichte. Wir leben — man muß es immer wieder sagen — in einer Zeit, in der Schlag auf Schlag die großen Träume, die großen Hoffnungen des Menschenvolks sich erfüllen: als ihre eignen Karikaturen. Was ist die Ursache all dieses massiven Scheins? Ich weiß keine andre als die Macht der Fiktivgesinnung. Diese Macht nenne ich die Ungebildetheit des Menschen dieses Zeitalters. Gegen sie steht die zeitwahre, zeitgerechte Bildung, die den Menschen hinführt zum gelebten Zusammenhang mit seiner Welt und ihn von da aufsteigen läßt zu Treue, zu Erprobung, zu 'Bewährung, zu Verantwortung, zu Entscheidung. Die Bildungsarbeit, die ich meine, ist Führung zu Wirklichkeit und Verwirklichung. Der Mensch ist zu bilden, der zwischen Schein und Wirklichkeit, zwischen Scheinverwirklichung und echter Verwirklichung zu scheiden weiß, der den Schein verwirft und die Wirklichkeit erwählt und ergreift, gleichviel welche Weltanschauung er erwähle. Diese Bildungsarbeit erzieht die Angehörigen aller Weltanschauungen zur Echtheit und zur Wahrheit, sie erzieht jeden dazu, mit seiner Weltanschauung Ernst zu machen von der Echtheit des Grundes aus und auf die Wahrheit des Zieles zu. 488

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