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Der Morgen · 1935-01-01 · Heft 10 (Januar 1935) · p. 474

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 10 (Januar 1935)
Article
Walther Heymanns 20. Todestag
Date
1935-01-01
Page
474 (sequence 2)
Language
German
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Vollendung doch ganz epigonisch von den Frühromantikern abhängig gewesen war und Lissauer mit einem hohen und edlen Sprachwillen zwar neue stoffliche Gebiete suchte, aber doch als Großstädter mehr literarisch (sein erstes Gedichtbuch hieß „Der Acker"), so war Walther Heymann ganz wurzelhaft seiner Landschaft verpflichtet. Dieses ostpreußische Land ist hier zum erstenmal mit Haff, Nehrung, Dünen und seinen Menschen zur Sprache geworden in hochgemuten, nicht mehr melancholisch oder gar sentimental belasteten Rhythmen. Eine befreite Atmosphäre, wie Meerluft, weht in den Strophen. Er liebt den Kurzvers und seine Folge, die immer neu aus dem einmaligen Erlebnis wächst, und ist von dem Rausch des Reimes ganz benommen. Seine metaphorische Kraft stammt aus einer echten vielfältigen Anschauung. Schon die Titel seiner Bücher zeigen, worum es darin nur gehen kann: „Der Springbrunnen", „Nehrungsbilder", „Die Hochdüne", „Die Tanne", und zuletzt neben den Kriegsgedichten die nachgelassenen „Fahrt und Flug". Es war ihm nicht vergönnt und vor allem uns nicht, daß er heimkehrte. Und er selbst hat in einem anderen Briefe geschrieben: „Wer fällt, ist ein Opfer für alle" — wenn er sich das auch anders gedacht hat, als es kam. Götz Otto Stoffregen hat in dem von Ernst Jünger 1928 herausgegebenen Gedenkbuch „Den Unvergessenen" von Walther Heymann gesagt: „Er war Jude, aber er war auch Ostpreuße und er war vor allem anderen jetzt Deutscher." Wir wollen das nicht vergessen, wenn wir dieses Opfers gedenken, auch wenn wir alles, alles fühlen, was dabei heute auf uns einstürmt. Dieses Leben Walther Heymann gehört in die Geschichte des deutschen Judentums sowohl, als in die Geschichte des gesamtdeutschen Schrifttums. An ihm wie an keinem anderen könnte man die Qualitäten derer messen, die sich jetzt als dichterische Stimmen der deutschen Juden ausgeben. Und hier, bei einem ernsten Anlaß, sei einmal die Gefahr genannt, daß unter uns schon deshalb jedes Erzeugnis als bedeutsam angesehen wird, weil es von einem Juden stammt und einen jüdischen Stoff enthält, oder nur um einer Zeitgesinnung willen. Schon beginnen Dilettanten sich breit zu machen. Die Maßstäbe fehlen. Walther Heymann wäre uns Vorbild gewesen. Er ist es noch, in seinem Werk, das Heimatkunst ist im besten Sinne des Wortes. J akob Picard Otto ffirsdizam 50. Geburtstag Jubiläen können Perioden des Lebens bedeuten oder auch bloß runde Zahlen sein. Wenn wir Ministerial-. rat a.D. Dr. Otto Hirsch zum 50. Geburtstag grüßen, so wünschen wir fast mehr das zweite. Denn der Weg, der ihn 1933 neben Leo Baeck an die Spitze der Reichsvertretung führte, war innerlich klar und folgerichtig, und die großen Aufgaben dieses Amtes brauchen den Mann, nicht den Repräsentanten. Otto Hirsch hat als württembergischer Beamter die Neckarkanal-A. G. geleitet, — Treuhänder der Allgemeinheit an einem großen Werk, das doch auch ein Industrieunternehmen ist. Und die Kraft, über der Sache zu stehen, ohne deshalb ihre Bedingtheiten aus den Augen zu verlieren, 474

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