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Der Morgen · 1934-12-01 · Heft 9 (Dezember 1934) · p. 410

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 9 (Dezember 1934)
Article
Juden in den deutschen Landschaften
Date
1934-12-01
Page
410 (sequence 1)
Language
German
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Werner Cahnmann: Juden in den deutschen Landschaften Das Werk des Deutschböhmen Josef IS adler, derzeit Professor für Literaturgeschichte in Wien, liegt klar ausgebreitet vor dem Leser. In der großen vierbändigen „Literaturgeschichte der deutschen Volksstämme und Landschaften" will Nadler an die Stelle der individualisierenden Künstlergeschichte zwar nicht eine Geschichte der literarischen Kunstformen, wohl aber eine stammlich aufgespaltene Geschichte des deutschen Schrifttums setzen. Und in dem in diesem Jahre erschienenen Buch „Das stammhafte Gefüge des deutschen Volkes" zeichnet er im Anschluß hieran in klassischer Kürze und von allem Beiwerk befreit den Grundriß und Aufriß des deutschen Lebens, wie es sich aus dem Leben seiner Glieder in ständig erneuten Formen immer wieder zur Einheit ergänzt. Nadlers Einführungssatz: „Die TaUache der deutschen Stammesfülle muß der staatsbürgerlichen Denkweise unserer Väter entrückt, es muß ihr eine neue aufgeschlossene Seelenlage gerüstet werden" gälte für den deutschen Juden auch dann, wenn Nadler selbst die Betrachtung der jüdisch-deutschen Problematik nicht in den Rahmen seiner Gesamtanschauung vom deutschen Werden eingespannt hätte. Er hat es aber getan, in einem Zeitschriftenaufsatz vcn 1932 und vor allem im Ii. Band seiner Literaturgeschichte, deren Einleitungskapitel er zum größten Teil der Erörterung ebendieser Problematik widmet. „Lebensvorgänge zwischen dem jüdischen Gast und dem deutschen Wirt" machen ihm das Wesentliche der deutschen Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts aus. Nadler sieht in der Begegnung des Jüdischen mit dem Deutschen weniger das Fruchtbare, das sich an ihr entzündet hat, als das Tragische: der Wille der deutschen Juden, deutsch zu sein, habe die Wirklichkeit übersprungen und habe deshalb notwendigerweise an der Wirklichkeit scheitern müssen. Dem stammhaften Gefüge eines Volkes könne man nicht durch Wunsch und Hingabe einwachsen, sondern allein durch generationenlange Mischung des Blutes. Die Judenfrage sei aber keine Frage des Bekenntnisses, keine Frage der staatsbürgerlichen Rechte, keine geistige Frage, sondern eine Frage völkischer Art. Die Literatur der deutschen Juden, bestenfalls abstrakt-deutsch, ohne in das stammliche Wesen des Deutschen einzudringen, sei ebendeshalb keine deutsche Literatur. Zugleich habe sie aber auch für den Juden etwas Bedrückendes; so urteilt Nadler im Vorwort zur „Literaturgeschichte" wie im Aufsatz von 1982. „Vielleicht mit keinem Volk der Erde hat der Jude in solcher Hingabe geistig eins werden wollen wie mit dem Deutschen, und kein anderes hat gegen diese Hingabe sich mit solchen Gebärden der Abneigung gewehrt- 410

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