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Der Morgen · 1934-11-01 · Heft 8 (November 1934) · p. 378

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 8 (November 1934)
Article
S. Fischer
Date
1934-11-01
Page
378 (sequence 2)
Language
German
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Hellhörigkeitimd Wachheit, Fingerspitzen- und Qualitätsgefühl machten Wesen und Erfolg dieses Verlagswerks aus, so daß Fischers Berliner Verlag schon bald als der führende deutsche, ja europäische Verlag für zeitgenössische Dichtung galt. S. Fischer ist mit dem neuen Werden in Deutschland gestorben. Viele seiner Autoren leben weiter; ihre reiche und mannigfaltige Gesamtheit ist der Kranz, dessen Blüten auch in der Nachwelt nicht verwelken werden. ps. Carl Neumann Das Hinscheiden des greisen Professors der Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg Carl Neumann hat in der Fachgenossenschaft des Gelehrten Anlaß zu einer Besinnung auf seine bedeutende Leistung in vielen Gebieten der Kunstforschung gegeben. Diese Leistung war ohne alle Einschränkung eine deutsche. Mit ihr stand er in der Reihe der deutschen Juden — und gerade die Universität Heidelberg nennt ihrer manche —, denen der Anspruch auf ungehemmten geistigen Lebensraum in Deutschland durch Leistung und Weihe eigener Lebenskraft unabdingbar und unbestreitbar erschien. Auf die geistige Persönlichkeit Carl Neumanns angewandt, hätte die Frage „Deutscher oder Jude?" jeden Sinn verloren. Daß selbst die Synthese „Deutscher und Jude", zu der Carl Neumaim — er trat in reifen Jahren zum Christentum über — sich nicht erheben konnte, in seinem Alter mit Erfolg bestritten wurde, läßt das Wirken und Leben des Mannes, der bereits im Jahre 1919 eine Schrift „Vom Glauben an eine kommende nationale Kunst" verfaßte, tragisch ausklingen. Carl Neumann ist 1860 in Mannheim geboren und hat nach Studien bei Kuno Fischer, Treitschke u. a. erst vergleichsweise spät zur Kunstgeschichte gefunden. Jakob Burckhardt war es, der ihn, den aufgeschlossenen, weltzugetanen jungen Gelehrten entscheidend bestimmte. Die Gabe, das Geschichtliche zu verlebendigen, die Tiefe seiner Einsicht, die Weite seines Wissens, die persönliche Prägung seiner Darstellungsmethode ebnen dem jungen Privatdozenten den Weg zum Heidelberger Ordinariat (1911), von dem er sich erst vor wenigen Jahren zurückzog. Die Reihe der Neumannschen Publikationen bezeichnet den Umfang seiner Forschungen, und das will bei ihm sagen: seiner Neigung und Liebe. Mit dem großen Werke über Rembrandt ist sein Name wert über Deutschland hinaus bekannt geworden. Seine Interpretation, die sich auf sachliche Kennerschaft stützen konnte, hat der Kunst Rembrandts und ihrer Geltung in unseren Tagen einen noch nicht abzugrenzenden Weg gebahnt. Wie kaum ein anderer ist Carl Neumann der Deuter des „Nordischen" in Rembrandt geworden. Sein letztes Werk war Jakob Burckhardts Biographie, in der ein Abschnitt deutscher Geistesgeschichte in geschliffener und geklärter Sprache Form gewinnt. Daß diese Persönlichkeit, deren Wirkungskreis ein so umfassender war, doch ohne eigentliche Schule blieb, mag aus den gleichen geschichtlichen und subjektiven Notwendigkeiten verstanden werden wie seine Stellung zu manchen Fragen der Kunst und, nicht zuletzt, wie seine Stellung als Jude. Hermann Gundersheimer 378

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