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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 332

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
[Rezension] / Cahnmann, Werner
Date
1934-09-01
Page
332 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IRI
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Fritz Rosenthal, Die Lieder des ewigen Brunnens. Verlag R. Löwit, Wien-Leipzig 1934 Wer sich die gesammelte Kraft bewahrt hat, heutzutage Gedichte zu lesen, wird an dem kleinen Werk von Fritz Rosenthal seine Freude haben. Das vorgesetzte Motto weist auf Stefan George hin. Aber mehr noch ist das sprachliche Können bis in letzte Feinheiten des Ausdrucks hinein an der Rilkeschen Wortkunst offenbar bewußt gebildet. So wird, um ein einziges Beispiel herauszugreifen, niemand, der den grandiosen dreiteiligen Zyklus von Rilke: „David singt vor Saul" im Gedächtnis hat, den Anklang in Rosenthals Gedicht: „Abisag vor David" überhören können. Freilich ist gerade hier das hohe Vorbild nicht völlig erreicht. Um so reiner klingt der Ton des neuen jüdischen Dichters da, wo er das Eigene und Gefühlte ganz in sich selber ruhen und so zum Wort werden läßt. Gemeisterte deutsche Sprache leiht hier der Innigkeit jüdischen Empfindens ihre Macht. Ich reiche die Krone solchen Gedichten, aus denen, wie in „Nächte des Ghettos", „Einem Freund zur Fahrt ins Land Israel" und ähnlichen anderen das eigene Erleben unüberhörbar spricht. Die Sehnsucht zum alt-neuen Vaterland und die kreisende Frage um den geheimnisvollen Gottesnamen, beide werden in ihren ergriffenen Strophen lebendig. Auch die liebevolle Ausdeutung der großen Gestalten aus dem ewigen Brunnen jüdischer Vergangenheit gelingt dem Dichter oft, wenngleich man nicht verschweigen darf, daß da und dort ein wenig Gehirnigkeit die reine Musik des Vers-Tons stört W. C-n. B. Isaak. J)er Religionsliberalismus im deutschen Judentum.4' Leipzig 1933 Diese Schrift in klarer und ansprechender Form stellt die Ursachen und Motive dar, aus denen der Liberalismus entstanden ist, hebt die Bedeutung der führenden Persönlichkeiten heraus und beschreibt den Verlauf der liberalen Bewegung. Das Wesen des Liberalismus sieht Verf. in der Anerkennung des Entwicklungsgesetzes für das religiöse Leben. Dementsprechend wird auf die Tatsache hingewiesen, daß auch im rabbinischen Judentum eine Anpassung an die jeweiligen Lebensbedingungen erfolgt ist. Hierbei ist aber nicht beachtet, daß diese Anpassung einen grundsätzlich anderen Charakter hat als die Wandlung, die sich im liberalen Judentum der Gegenwart vollzog. Die Rabbiner heben die Geltung biblischer Gesetze nicht auf, sondern interpretieren sie mit Hilfe biblisch fundierter und überlieferter Regeln in allgemein verbindlicher Form, also im Sinne einer objektiven Autoritäts- Religion. Im Liberalismus der Gegenwart aber werden biblische oder rabbinische Gesetze für ungültig erklärt. Die höchste Instanz ist nicht mehr die Tradition, sondern Verstand und Gewissen des Einzelnen. Dieser radikale Individualismus ist im Geigerschen Liberalismus noch nicht vorhanden, in ihm wird der Unterschied zwischen Sachverständigen und Laien stark betont. Zur wissenschaftlichen Kritik an der Überlieferung ist nur der Wissende berechtigt. Die Masse hat sich seinen Entscheidungen zu fügen. Bei einem Neudruck müßte der Begriff des Liberalismus schärfer gefaßt und seine geschichtliche Wandlung dargestellt werden. Lewkowitz. 332

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