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Der Morgen · 1934-09-01 · Heft 6-7 (September 1934) · p. 330

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 6-7 (September 1934)
Article
Buber
Date
1934-09-01
Page
330 (sequence 1)
Language
German
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Buber: Das Buch, der Zwölf In der Rosenzweig-Buber-Übersetzung der biblischen Bücher ist jetzt der 13. Band erschienen. Denken wir uns heute einen Chronisten, der es unternimmt, die Gegebenheiten seiner eigenen Zeit aufzuzeichnen. Hat ein solcher Schreiber in der Fülle der Tatsachen, die er verzeichnet, die Fähigkeit, das Bleibende und Entscheidende zu entdecken? Was stürmt alles auf uns ein! Haben wir noch ein Ohr, im Getöse den einzelnen Ruf, der uns angeht, zu hören? Wenn wir dieses Ohr haben, so wird der neue Teil der Rosenzweig-Buber-Bibel von uns so begrüßt werden müssen, wie ein Ereignis, das Geschichte ist. Das deutsche Judentum muß das Werden, — und mit Gottes Hilfe die baldige Vollendung — seiner Bibelübersetzung mit der Ehrfurcht und dem Dank begrüßen, die diesem seine Gemeinschaft repräsentierenden Denkmal zukommt. Für den Abschluß eines Mischnah- oder Talmudabschnittes gibt es ein Dankgebet, in dem es heißt: „Wir danken Dir, Ewiger, unser Gott und Gott unserer Väter, daß Du unsern Anteil unter den Bewohnern des Lehrhauses beschieden hast, und nicht hast unsern Anteil unter den Müßiggängern beschieden. Wir stehen früh auf, und jene stehen früh auf: wir stehen früh auf zu Dingen der Thora, und jene stehen früh auf zu eitlen Dingen; wir mühen uns ab, und jene mühen sich1 ab: wir mühen uns ab und erhalten Lohn, und jene mühen sich ab und erhalten keinen Lohn; wir laufen, und jene laufen: sie laufen zur Grube des Verderbens, wir aber laufen zum Leben der kommenden Welt. Es sei Dein Wille, Ewiger mein Gott, wie Du mir geholfen hast, diesen Abschnitt zu vollenden, so hilf mir, andere Bücher anzuyfangen, sie zu vollenden, zu lernen und zu lehren, zu beobachten und zu tun und alle Worte Deiner Lehre in Liebe zu erfüllen . . I. M. Sdtalom Asch: Der Trost des Volkes. Deutsch von Siegfried Schmitz. Verlag der Bibliothek zeitgenössischer Werke, Zürich 1934. Der neue Roman Schalom Aschs setzt gegen 1820, in Russisch-Polen, ein. Wie stets nach kriegsgepflügten Zeiten ist der Boden bereitet für politische Geheimbündelei wie für Wunderglauben und Erlösungssehnsucht. Die Politik, der sich vorbereitende Aufstand des polnischen Adels gegen die russische Herrschaft, streift nur als Tangente den Kern des Werkes. Um so stärker geht es um den messianischen Grundgedanken des Judentums, um so schärfer wird der Kampf der Geister in diesen polnisch-jüdischen Gemeinden herausgearbeitet, in denen die Chassidim und die lebenslänglichen Schüler und Deuter der „Lehre" meist nicht ohne Hochmut den geistig und geistlich Schlichteren gegenüberstehen, wie sie etwa ein „Psalmenverein" zusammenfaßt. Der Gegensatz hat viele Nuancen: Interpretation und Urwort der heiligen Bücher, selbstgerechtes — d. h. ja gegen andere ungerechtes — „Wissen" und naive Gläubigkeit, Redegewandtheit und Tatbereitschaft, Trägheit des Herzens und flammende Wärme des Gefühls. Und diese Zwiespältigkeiten tragen vielfach einen ernsten sozialen Akzent. 330

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