Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 6-7 (September 1934)
- Article
- Sätze
- Date
- 1934-09-01
- Page
- 299 (sequence 2)
- Language
- German
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Sätze Feuer brennend erhalten werden für solche Mächte, denen die Zeit im Großen nicht dienen kann. Aus der ganzen Fülle des Alls lebt jede Zeit, und fehlte das jeweils Abseitige in ihr, sie lebte nicht. Es ist die Zeitgemäßheit des Unzeitgemäßen, daß es die Verbindungen zu jenen Kräften wahrt, mit denen die Zeit den Zusammenhang zu verlieren droht, von deren heimlicher Gegenwart aber sie sich nährt, von denen sie vielleicht morgen schon wieder Heil erflehen muß. * Sage nicht von einem heutigen Wesen oder Werk: es wäre gut, wenn es aus einer andern Zeit wäre; in diese paßt es nicht, also ists unecht. — Deine Erfahrung von einer Zeitwirklichkeit hat sich nicht nach deiner Vorstellung vom Zeitmöglichen zu richten, sondern umgekehrt: das Zeitwirkliche erweist mit seinem Dasein seine Zeitmöglichkeit. Sagt dir von einem Zeitunwahrscheinlichen dein unbefangenes Anschauen: es ist gut — so schließe: also auch jene Macht, jene Haltung, die ich für nicht mehr heutig hielt, ist lebendig genug in der Zeit, um eine echte Erscheinung in ihr zu gewinnen. * Wer an die rastlose Bewegung verborgener oder entlegener Gewässer denkt, die allezeit in einem Menschenohr lebendiger Donner werden könnte und keiner wird sie gewahr, aber unbeküm-; mert um Wirkung und Antwort waltet sie fort, — wer daran sich gemahnt, dem scheint es bald unerträglich sinnlose Unruhe, bald ein ewiger Hort des Lebens und der Treue. Nicht anders bewegen sich die geheimen Schicksale, die . einander unbekannte oder unsichtige Menschen verbinden, sie nähern und wieder trennen, ohne daß sie je davon erfahren, mächtige Segnungen und Gefährdungen dicht an ihnen vorüberführend, unbemerkt aber und für Menschensinn unwirksam wie nie gewesen. * Das furchtbare Gewirr von List und Qual, Hunger und Untergang, die tausendfach sich umschleichende und überschleichende Drohung rings in der Natur, — wie darf sich das in die selige Erscheinung hüllen, die für deinen Blick die Landschaft ist? Erst glaubst du dieser Erscheinung eine %is in den Kern ihr gleiche Wirklichkeit. Dann möchtest du sie als schmeichelnde Täuschung verwerfen, hielte sie dich nicht mit rätselhafter Gewalt. Endlich verstehst du sie als an dich und über dich hinaus gerichtetes Verlangen, das seine Erfüllung im Bilde verbürgt. * Die höchsten geschichtlichen Momente scheinen, bald von hier, bald von dort, in die Nähe der Heimat zu führen, des Reiches. Dann wird's geahnt und verkündet, ein letzter Aufbruch streift an 299