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Der Morgen · 1934-08-01 · Heft 5 (August 1934) · p. 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 5 (August 1934)
Article
Carl Gebhardt [Nachricht]
Date
1934-08-01
Page
238 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Gebhardt und seiner Gründung der Societas Spinozana (1920) zu verdanken, wenn heute die geistig« Gestalt Spinozas weit über Deutschlands Grenzen aus den Archiven der Philosophiegeschichte wieder mitten in das wirkende Leben getreten ist Eine Tradition ist damit fortgeführt, die von Männern wie Goethe und Hegel ausging. Die wissenschaftliche Arbeit dieses Lebens, gekrönt durch eine große Gesamtausgabe der Werke, vertieft durch ein neues Verständnis auch für „Spinozas Religion" (1932), wird auch über den Tod Carl Gebhardts hinaus weiterwirken. Lehrerfortbildungs-Wodie in Vom 1.—8. Juli fand in Lehnitz eine Lehrerfortbildungs-Woche statt, die vom Schulreferat der Reichsvertretung der deutschen Juden in Verbindung mit der bei der Reichsvertretung errichteten Mittelsteile für jüdische Erwachsenen-Bildung veranstaltet war. Es fanden statt: ein Bibelkurs von Prof. Dr. Martin Buber, ein Geschichtskurs von Dr. Ernst Simon und Dr. Erich Rosenblüth, Vorträge über hebräischen Unterricht (Dr. Woskin und Reznicov),ferner eine Reihe von Aussprachen: über allgemeine Probleme der jüdischen Schule (Rektor Dr. Heinemann Stern), über Neugestaltung des jüdischen Geschichtsunterrichtes (Dr. Lotte Barschäk), über Religionsunterricht (Professor Dr. Martin Buber), über jüdische Gegenwartskunde (Dr. Lubinski, Hans Gärtner, Dr. Franz Ollendorf), und über den Deutsch-Unterricht in der jüdischen Schule (Studienrat Dr. Leschnitzer). Obwohl es Menschen sehr verschiedener jüdischer Haltung waren, die sich in Lehnitz trafen, so stellte sich bald heraus, daß das Gemeinsame das Trennende zwar nicht verschwinden ließ, aber es doch zu überbrücken vermochte. Das macht ja gerade den Reiz derartiger Tagungen aus, daß sie die fruchtbare Auseinandersetzung verschiedener Richtungen ermöglichen. Gegensätze, die in der Presse-Diskussion oder im Versammlungssaal manchmal recht hart und häßlich aufeinanderprallen, lassen sich eben fern vom Lärm der Stadt im ländlichen Milieu einer solchen Tagung ganz anders, — freier, offener und sicherlich auch richtiger aussprechen. Aber damit die Auseinandersetzung fruchtbar werden kann, ist es nötig, daß die Menschen, die an ihr teilnehmen — wobei Teilnahme nicht nur Mitreden, sondern auch Zuhören bedeutet — über ein bestimmtes Mindestmaß jüdischer Bildung verfügen. Vielleicht wird man deshalb gut daran tun, in künftigen Fällen zwischen Lehrerfortbildungs-Tagungen für Anfänger und für Fortgeschrittene zu unterscheiden. Jedenfalls dürfte es dringend notwendig sein, zunächst einmal auch Tagungen gerade für die Lehrer zu veranstalten, die bisher im öffentlichen deutschen Schulwesen tätig waren und denen zu jüdischen Dingen noch die rechte innere Beziehung fehlt Ihnen die Tore zur Welt des Judentums zu öffnen, wird für die nächste Zeit eine der vornehmsten Aufgaben unserer Lehrerfortbildung sein. Adolf Leschnitzer 238

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