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Der Morgen · 1934-07-01 · Heft 4 (Juli 1934) · p. 193

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Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 4 (Juli 1934)
Article
Neue Lyrik [Rezension]
Date
1934-07-01
Page
193 (sequence 2)
Language
German
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Dichterin doch auch ein junges Mädchen, beobachtet gescheit und scharf, kann, wenn auch noch nicht immer mit eigenem Ton, hübsch und drollig sagen, was sie sieht, sei es nun Tennisplatz oder Flirt oder die studentischen Kolleginnen, und läßt das Gefühl zu Hause, wenn sie die ironische Reporterin mimt. Lieder der Liebe wollen noch nicht so recht gelingen. Aber sie hat ja Zeit. Sie ist jung. Manfred Sturmann gibtseiner Lyrik den Titel „Wunder der Erde" (im Verlag Hesse u. Becker, Leipzig). Eine gedrungene, bewußte Kraft staut sich in diesen Strophen: Bilder fügen sich zum Bild, klar geschaut, plastisch gesagt. Diese Bilder aus Natur, Landschaft, menschlicher Tätigkeit haben nichts von Eindruckskunst an sich (auch ein „Reiselied" nicht), sie streben zum Typischen, wie es die Gestalten des Bauern, des Dünenfischers, doch auch des Fliegers bieten. Verhaltener, herber kann kein Lied sich geben; so tritt an die Stelle des lyrischen Selbstbekennens etwas wie ein Spruch alter Volksweisheit: „Der Acker bleibt, der Weizen steht — Das Sein ist kurz wie ein Gebet, das eine Lippe sprach." All diese Lieder singen von dem Dauerhaften der Welt, von Volk, Erde, von der Ernte der Jahreszeiten. Aber gerade so müßten sie mehr sein: sie streben zum Mythos und bleiben in unpersönlicher Sachlichkeit stehen. Es fehlt ihnen — so schwer das Lob wiegt, karge, aber starke Gefühle zu geben — jene letzte Ergriffenheit, in der das eigentliche Wesen erst magisch ins Wort gebannt wird. Es sind Gedichte eines Epikers, dessen eigentliche Begabung wohl in der Erzählung liegt. Endlich wollen wir nochmals an Ludwig Strauß erinnern, aus dessen „Nachtwache" wir in einer der vorhergehenden Nummern das Gedicht „Zwiefache Heimat" zum Abdruck brachten. Die Sammlung (erschienen im Deutschen Buch- Club, Hamburg) umfaßt die Arbeiten der Jahre 1919—1933. Der äußeren Form nach sind auch die frühen Werke vollendet; innerlich sind sie immer fester, bestimmter, kraftvoller geworden. Ludwig Strauß ist kein „naiver" Dichter; er verleugnet die Bildung des Gelehrten nicht, ist vielseitig angeregt, der verschiedensten Formen Meister. So wenig den Strophen aber ein „Schulschmäcklein" anhaftet, so wenig sind es Lieder eines Epigonen; Hölderlins dunkeltönige Hymnen, Nietzsches Schwung, Georges Formenstrenge und Bubers Ausdruckskraft haben ihn berührt, aber nicht unterjocht: „Obs von außen lastet, obs von innen drängt, daure in der Fülle oder sei zersprengt!" Er gestaltet die Welt nicht im Bild, sondern in der Beschwörung, nicht im Gleichnis, sondern im Anruf, und diese überpersönliche, aus einer Gemeinschaft redende Haltung' drängt ihn auch zum eigentlichen Gemeinschaftslied (von dem der Band in der „Kantate für einen Knabenchor" eine wundervolle Probe enthält) und gibt noch der persönlichsten Liebesstrophe einen über das Einzelleben hinausgreifenden Zug: „Weiß der Falter, wo er bliebe Und was ihm bestimmt? Er wartet auf die Liebe, wohin sie ihn nimmt. Wo er sich letze Und wo er sich ruh, Schwebt er im Gesetze, Wie ich und wie du." H. B. 193

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