Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1934)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1934-07-01
- Page
- 169 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Stimme GotteS jEinmal, als die Nachtgeräusche schwiegen, Kam ein Brausen mir herabgestiegen — Wie Gesumm von unsichtbaren Chören, Dumpf, nur mit dem innern Ohr zu hören. Aber durch das Dunstgewölk der Stimmen Schien ein unbewegter Stern zu schwimmen — Und ich wußte: Gottes Stimme riefe Aus den tiefsten Tiefen seiner Tiefe . . . Prophet /ch bin die Glocke mit dem erznen Munde. Ich künde stets die gegenwärtige Stunde. Wenn meine Schläge prasselnd niederflammen, Schreckt ihr bei kleinem Tagewerk zusammen Und schaut, sekundenlang emporgewendet, Die Zeit, die groß sich über euch vollendet. Mein Nachhall zittert noch in euren Herzen. Ich aber schweige, wie ich tönte: erzen. Der Posten lag, unter dem Kommando eines Leutnant Gray, am Brunnen El Terbiyeh, war mit Stacheldraht ausgezeichnet gesichert und hätte auch ohne diese Sicherung nicht allzu viel zu fürchten gehabt, weil diese Gegend, nach drei regenlosen Jahren, von den Beduinen selbstverständlich gemieden wurde. Der Posten bestand aus dem Leutnant, zwanzig Kamelreitern — durchweg Fellachen- und Beduinensöhnen — und zwei Unteroffizieren, deren einer Nissan Dardar war. Nissan hatte sich zwei Jahre vorher von der palästinensischen Polizeitruppe zum transjordanischen Grenzkorps versetzen lassen, war infolge seiner außerordentlichen Fähigkeiten bald zum Unteroffizier befördert worden und stand vor der Ernennung zum Offizier. Er war ein ruhiger Mensch geworden, der sich selbst von den wenigen Freizeitvergnügungen einer kleinen Wüstengarnison abseits hielt und mit seinem Offizier wie mit der Mannschaft 169