Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1934)
- Article
- Tagung für Erwachsenenbildung
- Date
- 1934-06-01
- Page
- 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ten,und seinen jugendlichen Insassen, die in Erlebnisfreude strahlten, gaben den Verhandlungen einen Rahmen von eigenartiger Festlichkeit. Und das war auch das Besondere an dieser Zusammenkunft führender jüdischer Menschen aus dem ganzen Reiche, an ihrem gemeinsamen Denken, Fragen, Schenken und Empfangen: es war ein festliches Arbeiten. Die Frage, die im Mittelpunkt stand und in Bubers einleitendem Referat in letzter geistiger Strenge gestellt wurde, lautete: Wie kann es vollbracht werden, daß die jüdischen Menschen unserer Tage aus der Erschütterung der Gesamtform ihres Lebens zu einer neuen jüdischen Gestaltung nicht nur ihres individuellen Schicksals, sondern einer „überwindenden Gemeinschaft" vorschreiten? Sie wurde in Referaten, Aussprachen und Arbeitskreisen mit dem ganzen Ernst in Angriff genommen, der dieser geistigen Schicksalsfrage des deutschen Judentums zukommt. Aber die praktischen Anregungen für die schwierige Bildungsarbeit der Kleingemeinden, die Schulung der Umschichtenden und jugendlichen Erwerbstätigen, für die Zusammenarbeit mit den Bünden und die Beschaffung von Lehrmitteln, alle diese Ergebnisse, die der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung (Frankfurt a. M., Fahrgasse 146) aus den Beratungen zuwuchsen, waren trotzdem nicht das Wichtigste an dieser Tagung. Wichtiger war der nicht in Formeln einfangbare Geist echter Gemeinschaft, der dort spürbar wurde und der eine glückhafte innere Erschütterung auslöste, weil er etwas von dem erst geahnten und erstrebten Endziel vorwegnahm. Über allen Verhandlungen stand die Frage der Gefahr und der Hoffnung: Was wird aus dem deutschen Judentum? Vor ihm gab es keinen Unterschied in der Tiefe des Verantwortungsgefühls zwischen den Anhängern der einzelnen Richtungen. Die gemeinsame Aufgabe, die weit mehr umschloß als die Sorge für die materielle Erhaltung, nämlich die Verpflichtung zu geistiger Erneuerung aus der Tiefe von Qual und Ungewißheit heraus, klang aus in das Bewußtsein, daß diese Zeit auch eine große Chance in sich fasse: die Chance, daß aus dem Absturz von einer Höhe geistig-kultureller Entfaltung, wie ihn gewaltiger und schroffer selbst die leidensreiche jüdische Vergangenheit nicht kennt, dem deutschen Judentum Kräfte entstehen sollen, die sein Leid bewältigen und umformen zur schöpferischen Gnade. E.R.-J. Eine Buchbesprechung als Gluckwunsch Max Brod: Die Frau, die nicht entsondern ein Bekenntnis in Dialogtäasdit. Verlag E. P. Tal & Co., form, und „Die Frau, die nicht ent- Leipzig-Wien 1934. täuscht", Trägerin einer reizvollen In diesem Buch, das von einem aber entbehrlichen Episode, läßt den geradezu fanatischen Ringen um Helden, Dr. Justus Spira, zum Wahrheit und Gerechtigkeit Zeugnis Schluß in tiefer, fast verderblicher ablegt, ist nur eine Unwahrheit: sein Enttäuschung allein. Doch jede mög- Titel. Dieses Buch ist kein Roman, liehe Kritik an Handlung und künst- 146