Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-06-01 · Heft 3 (Juni 1934) · p. 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 3 (Juni 1934)
Article
Zum Tode Max Friedländers
Date
1934-06-01
Page
143 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2895450-2895526-2895530-2903968--07199-2904038
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

•derhort", ließ, zusammen mit John Meier, eine schöne, weit verbreitete Sammlung von Volksliedern der einzelnen deutschen Landesteile in Einzelheften erscheinen. Das Gesamtwerk ist zu groß, als daß selbst das Musiklexikon imstande wäre, alles, was Max Friedländer Wesentliches für Deutschlands Musikleben geschaffen hat, nennen zu können. Stets hat der Wissenschaftler mit dem Künstler in ihm Hand in Hand gearbeitet, weil Friedländer bei jeder Veröffentlichung an die lebendige Wirkung des Vortrags dachte. Noch in seinen letzten Vorlesungen, als hoher Siebziger, belebte er temperamentvoll seine Darstellung durch eigene Liedvorträge. Für seine Studenten, denen er ein freundlicher Helfer und Berater war, brachte er eine neue kritisch durchgesehene Ausgabe des Kommersbuches heraus, wieder im Bemühen, seine musikhistorische Erkenntnis im musikalischen Leben zu verwerten. Er kämpfte mit aller Kraft dafür, das deutsche Volk von neuem mit dem Volksgesang zu verbinden, der „vor der Gefahr eines Gesinnung und Kunst bedrohenden verwässernden Kosmopolitismus bewahrt", wie er schrieb. Da diese Bindung am ehesten durch die unendliche Fülle der köstlichen Scherz-, Tanz- und Trinkliedchen erreicht werden konnte, setzte er hier, selbst für jeden gefühlsechten Frohsinn empfänglich, einen Teil seiner Arbeitskraft ein: eine Sammlung von Liedern zur Laute, leicht sangbar zweistimmig gesetzt, ein Band humoristischer Lieder mit einfachster Klavierbegleitung dienten solcher Popularisierung. Max Friedländer hat einen wesentlichen Anteil daran gehabt, daß das deutsche Volkslied, das vom Schlager fast verdrängt war, wieder in das Volk zurückfand, daß sich Gesangvereine, Chordirigenten, Schullehrer von neuem seiner großen Schönheit bewußt wurden. Dieses Verdienst und seine Kunst, die Werke der deutschen Meister in künstlerisch brauchbarer und wissenschaftlich reiner Form dem großen Kreis der Sanglustigen darzubieten, werden die Arbeit eines schaffensreichen Lebens für deutsche Kunst und Wissenschaft nicht vergessen lassen. Die Arbeit des deutschen Juden Max Friedländer. B. K. Musik und Rasse Zur 70. Wiederkehr des Todestages Meyerbeers Meyerbeer, dieser in Berlin geborene und in seinem Vaterlande künstlerisch durchgebildete, aber doch erst in Italien zum künstlerischen Bewußtsein und in Frankreich zur künstlerischen Vollendung gekommene musikalische Weltbürger, ist — ungewollt natürlich — die Veranlassung gewesen, daß das Problem Musik und Rasse im 19. Jahrhundert entscheidend aufgeworfen wurde. Es war bekanntlich Richard Wagner, der in seiner 1850 Pseudonym erschienenen Broschüre „Das Judentum in der Musik", ohne Meyerbeer, dem er zu mancherlei Dank verpflichtet war, zu nennen, diesen „weit und breit berühmten jüdischen Tonsetzer unserer Tage" als besonderes Beispiel für eine pseudo-künstlerische Betätigung der Juden anführte. Wagner geht noch von einem 143

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.