Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1934)
- Article
- Ein Vater an das Kind im fernen Land
- Date
- 1934-06-01
- Page
- 126 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob Badner: Ein Vater an das Kind im fernen Land Es ist nicht dies, mein Kind, daß ich dich missen muß, Obwohl ich Nächte lang darob nicht schlafe Und lang entbehrte deinen Abendkuß, Eh dich entführten deiner Träume milde Schafe. Z)aß ich nicht nah dir bin bei Tag und Nacht, Um dir zu helfen, das Geheimnis leicht zu tragen Der wirren Welt, ist, was mir Kummer macht, Und dir nicht raten kann bei ihren tausend Fragen; Öaß sich das Schicksal immer noch verschließt, Obwohl ich mich ihm opfernd lang schon weihe Und durch mein eigenes Leben, hart gebüßt, Dafür vergelte, daß es dich befreie ... Ich kann verwinden, was mich so bedrückt, Ich bin gestählt und weiß wir müssen leiden, Um Gott zu sehn; ob auch noch mehr mißglückt, Mich wird das letzte Grauen nunmehr meiden . . . Doch du bist schwach und zart und bist so jung, Und niemand ist, der dich wie ich bewahre Vor der verletzenden Erschütterung Und gütig streichle deine Kinderhaare; Wer deutet dir die schönen Pflanzen, wer der Wolken Flug, Wer ist, der dich aus jedem Wort erahne, Und dir die Heimat nennt, die mich als Mutter trug, Und von den Vätern spricht und der geliebten Ahne! 0 Kind, ich spüre eines Blutstroms Quell Ob allem Schicksal heilig uns durchfließen Durch Fernen hin, schlaflose Nacht wird hell, Mir ist, als ob wir niemals uns verließen. 126