Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 95 (sequence 2)
- Language
- German
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rang nationaler Minderheitsrechte darzustellen. Der Gedanke jüdischer nationaler Minderheitenrechte, insbesondere in der Form der nationalen Autonomie, hatte seinen Ausgangspunkt in den Gebieten jüdischer Massensiedlung, in Rußland und Österreich. Die Bewegung zur Erlangung jüdischer Nationalitätsrechte begann um die Jahrhundertwende allmählich an Boden zu gewinnen. Die russische Revolution von 1905 gab ihr einen starken Auftrieb. Insbesondere die russischen Zionisten begannen sich jetzt für nationale Minoritätsrechte einzusetzen. Gegensätze zwischen nationalistischen, antinationalistischen und Arbeitergruppen beeinflußten die weitere Entwicklung der Bewegung hi Osteuropa, bis der Ausbruch des Weltkrieges diese Periode zu einem gewissen Abschluß brachte. Während des Weltkrieges finden wir eine ausgedehnte jüdische Propaganda in den Vereinigten Staaten, aber auch in Dänemark, der Schweiz und Holland. Während jedoch die jüdischen Autonomisten Osteuropas nationale Rechte für sich selbst verlangten, war die westliche Bewegung darauf gerichtet, in den Nationalitätenstaaten Osteuropas die Sicherung der Gleichberechtigung der Minderheiten zu erreichen. Von besonderem Interesse ist. die Entstehungsgeschichte des American Jewish Congress, der während des Weltkrieges vorbereitet wurde, aber erst im Dezember 1918 unter dem Vorsitz Macks stattfand. Bekannt sind die Vorgänge während der Besetzung Polens durch die Mittelmächte. Einen bedeutsamen Abschnitt stellte die russische Revolution dar, insbesondere auch das Minoritätenexperiment in der Ukraine. Mit dem Beginn der Friedenskonferenz wurde Paris zum Schauplatz der Kämpfe um die jüdischen nationalen Rechte. Aus allen Ländern, in denen Juden in größerer Zahl leben, wurden Delegationen nach Paris gesandt Die Vertreter der osteuropäischen Juden stellten weitgehende nationale Forderungen. Die französischen und englischen Juden, antinational gesinnt, wollten die jüdischen Rechte auf die bürgerliche und politische Gleichberechtigung beschränken. Den ausschlaggebenden Einfluß übte schließlich die Delegation des American Jewish Congress aus, die Nationalisten und Antinationalisten umfaßte. Sie bildete zusammen mit zahlreichen Delegationen aus dem Osten das Comite des delegations juives. Die starken Gegensätze innerhalb der jüdischen Delegationen hinderten lange ihre Wirksamkeit nach außen. Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit den Hauptmächten gelang es schließlich, den Abschluß der Minderheitenschutzverträge mit dea neuen Staaten und den Staaten mit erheblicher Gebietserweiterung durchzusetzen. So war es vor allem der Aktivität der jüdischen Delegationen auf der Friedenskonferenz zu verdanken, daß es zur Schaffung des internationalen Minderheitenschutzes kam. Dieses Minderheitenrecht wirkte sich dann in der Folgezeit in starkem Maße zugunsten der deutschen Minderheiten aus, die auf den Abschluß der Minderheitenverträge keinen Einfluß ausüben konnten, weil den Zentralmächten keine Möglichkeit gegeben wurde, die Bedingungen der Friedensverträge und ihrer Nebenabkommen 95