Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1934)
- Article
- Sonne von versunknen Tagen [Rezension]
- Date
- 1934-05-01
- Page
- 92 (sequence 2)
- Language
- German
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schafft, daß alles, was hier zusammengetragen ist — von den Psalmen über Flavius Josephus, Jehuda Halevi bis zu Pinsker, Moses Heß, Herzl, Arlosoroff und den vielen, vielen andern, die da einstimmen in den Chor zur höheren Ehre Erez- Jisraels — nicht mehr Bruchstück bleibt, sondern daß es als ein großes Ganzes dem großen Ziele des Wiederaufbaus zutreibt. Von diesem machtvollen Drang jüdischen Geistes, von diesem unbeirrbaren Sehnen jüdischer Herzen durch die Tiefen und Höhen der Jahrhunderte hindurch wird in den Bann gezogen, wer das Buch zur Hand nimmt. Keiner wird sich dem Zuge dieses Strebens entziehen können. Und doch: es wäre eine verhängnisvolle Täuschung, an deren Entstehen Zusammenstellung und Vorwort nicht ganz unschuldig sind, die Äußerungen des Willens zu „Volk und Land", von denen die Sammlung Kenntnis gibt, als Bekundungen einer auch innerlich einheitlichen Gesinnung aufzufassen. Dazu ist ihr der Stempel der Entwicklung von religiöser zu nationaler Inbrunst durch ungezählte Abstufungen hindurch zu deutlich aufgeprägt. So gewiß diese beiden tragenden Ströme alter und neuer Zionssehnsucht einander nicht auszuschließen brauchen, so gewiß ist es auch, daß eine geschichtliche Schau von der Art dieser Anthologie erst dann ihre Bestimmung ganz erfüllt hätte, wenn sie den Blick dafür geschärft hätte, daß gelegentlich eine allzu einseitige nationale Säkularisierung die religiöse Kraft ernsthaft zu gefährden droht. Das Buch hat vielleicht das Recht — und es macht ausgiebig von ihm Gebrauch —, in der bestimmungsgemäßen Einseitigkeit seiner ausschließlich auf Palästina gerichteten Stoffauswahl bewußt auf Gerechtigkeit gegenüber der anderen legitimen jüdischen Existenzform, der Diaspora, zu verzichten. Es hat nicht das Recht, seinen Dienst an der Idee Erez - Jisrael dadurch zu entwerten, daß es den polaren Charakter der Kräfte leugnet, die nur durch ihre Spannung und Auseinandersetzung, nicht aber durch ihre stillschweigende Gleichsetzung fruchtbar zusammenwirken können. E. R.—J. „Jüdische Klänge." Ausgewählt von Leon Kornitzer. M. Lessmann Verlag* Hamburg Das Werk enthält Lieder für den öffentlichen Gottesdienst und für das jüdische Haus, jüdische Volkslieder und freie Kompositionen, die Leon Kornitzer mit viel Verständnis ausgewählt und zum Zwecke des privaten Musizierens geschickt bearbeitet hat. Da man neben manchen bekannten Gesängen eine Reihe neuer Weisen findet, stellt die Sammlung eine wertvolle Bereicherung der jüdischen Liedliteratur dar. Der Begriff „Jüdische Musik" ist dabei vom Herausgeber bewußt weit gefaßt worden, in der richtigen Erkenntnis, daß es hier nicht galt, philologische Entscheidungen zu treffen und ein wissenschaftlich einwandfreies Material zu geben, sondern dem jüdischen Menschen eine seinem Empfinden entsprechende Kunst zu vermitteln. Das Heft dürfte, da es dem aktuellen Bedürfnis nach Hausmusik durch die leichte Ausführbarkeit der Kompositionen weitgehend Rechnung trägt, in Kreisen von Musiklaien lebhaften Anklang finden. E.H. 92