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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Mythische Geschichte [Rezension]
Date
1934-04-01
Page
48 (sequence 2)
Language
German
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der Ort, die wissenschaftliche Widerlegung im Einzelnen zu geben — nur wieder eine neue Hypothese neben vielen anderen aufstellt. Der Verfasser erkennt das (S. 25) auch selbst: „Ich weiß ganz genau, daß all dies manches enthält, was nur hypothetisch ist; obgleich es mir selbst sehr wahrscheinlich erscheint, kann ich andere nicht dazu bewegen, es ebenso anzusehen." Goethe sagt einmal in einer Buchbesprechung: „Wenn wir uns ins Wissen, in die Wissenschaft begeben, geschieht es denn doch nur, um desto ausgerüsteter ins Leben wiederzukehren." Hier bleibt alles bloße Wissenschaft und verläßt nicht den von ihr abgesteckten Kreis. Das wahre Problem liegt tiefer, und jede Identifikation des Knechtes mit einer zeitgeschichtlichen Persönlichkeit bedeutet eine Verharmlosung. Das größte und stärkste Kapitel, Jes. 53, hat P. auch kaum zur Beweisführung herangezogen, und doch ist hier das Wesen des leidenden Knechtes am deutlichsten ausgesprochen. Mag es ein Einzelner gewesen sein, den der Prophet im bewährenden Leid gesehen hat: sein Name ist uns nichts! Das wahrhaft getragene Leid, das Im-Dienste-Stehen des so schwer Geschlagenen läßt die aufmerkenden Mitlebenden wachsen und gibt ihnen Kraft zu bestehen. Es ist die verborgen wirkende Mächtigkeit des Leides, von der Buber einmal sprach. „Bewähren sollte die Vielen der Bewährte, mein Knecht" Oes. 53, 11). Immer aufs neue sehen wir Menschen so leben — und so sterben. Da mag dann der Jude, der biblische Mensch, dem das eigene Ich aufging in der Reihe der Väter, der sein Sein mit dem seiner Gemeinschaft identifizierte, den Knecht zum leidenden Jisrael der Vergangenheit, der leidvollen Gegenwart und der Zukunft werden lassen. Das ist ein Sinn unserer biblischen Worte, — Einzeldeutungen, auf Prothesen schwieriger Textstellen gestützt, sind hier nicht am Platze. Fritz Aronstein. Jahresabonnement des „Morgen" M 12.—, bei Einzahlung bis I.Mai M 10.80, Einzelheft MI.- Für Bezieher im Ausland erfolgt Umrechnung in Reichsmark nach der Währung des Landes. Zahlungen sind auf das Postscheckkonto der Philo Verlag u. Buchhandlg. GmbH. Berlin Nr. 83512 zu leisten ♦ Manuskripte und Zuschriften sind an die Schriftleitung des „Morgen", Berlin W15, Pariser Str. 44 zu senden. / Für Manuskripte, die von der Schriftleitung nicht angefordert wurden, wird keine recht' liehe Haftung übernommen; sie werden nur dann zurückgesandt, wenn Rückporto beiliegt. / Jeder Beitrag erscheint unter eigener Verantwortung des Verfassers. Nachdruck der Aufsätze ist nur mit Genehmigung der Autoren und des Verlages gestattet ♦ Schriftleitung: Hauptschriftleiter: Dr. Eva Reichmann Jungmann, Berlin. Vorlag: Philo Verlag und Buchhandlung GmbH, Berlin W15 Druck und Anzeigenannahme: Max Lichtwitz Berlin SW19. — DA. I. Vj. 2100- 48

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