Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 1 (April 1934)
- Article
- Ein Doppelgeburtstag
- Date
- 1934-04-01
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Spiro ist Weltbürger. Sein Judesein bedeutete ihm nie ein Problem, nie ein Außenstehen. Oberall gehörte er dazu, als Schüler des alten Breuer in Breslau (dem Vorbild von Gerhart Hauptmanns „Michael Kramer*')» auf der Akademie wie im geistig bewegten Pariser Kunstleben der Vorkriegszeit, später in der Berliner Sezession, der er fast zwei Jahrzehnte lang vorstand. Ehrungen von außen strömten ihm reichlich zu, als Selbstverständlichkeiten. So eignet auch seiner Kunst jene Gelassenheit der Geste, jene vornehm-reiche Fülle, die aus der doch meist nur zwangsweise verlassenen Atmosphäre einer bürgerlich gesicherten Behaglichkeit stammt. Deshalb mischt sich in unsere Bewunderung seines malerischen Könnens leicht etwas von heimlicher Sehnsucht nach einer verlorenen Welt, in der noch eine Feier des Schönen, ein Kult des Sinnlich- Luxuriösen galt, der uns heute fast wie etwas nicht mehr Erlaubtes, weil nicht mehr recht der Härte der Zeit Gemäßes erscheinen mag. Wie er der Vergangenheit in zahllosen hervorragenden Kopien nach alten Meistern ehrfürchtigen Tribut zollt, so bildet seine überaus lebendige Lehrtätigkeit die Brücke zur künstlerischen Zukunft. Spiro ist leidenschaftlicher Lehrer und ist dabei von dem Glauben beseelt, daß jeder, der nur einmal erfaßt hat, worauf es ankommt, malen lernen könne, denn ihm ist es wie Singen, ein ständiges Entkrampfen, Sich-lösen — nichts weiter! Er weiß noch von der Zeit seines arten Lehrers Breuer her, wieviel ein Meister durch bloßes Vorbild und Gewährenlassen menschlich und künstlerisch zu geben vermag, und die Worte, mit denen jener im Drama von einem Schüler gepriesen wird, mögen auch für ihn gelten: „auf wen er einwirkt, — der kann gar nie gänzlich verflachen im Leben"! Margot Riess. Jaden in Holland Die ersten Juden kamen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts nach Holland. Es waren portugiesische Marranen, die nach abenteuerlicher Seefahrt nach Amsterdam gelangt waren. Die Motive sind nicht nur in dem Wunsche zu suchen, den Verfolgungen der Inquisition zu entfliehen und ein Land aufzusuchen, in dem nach seiner Trennung von Spanien der in der Utrechter Union von 1579 verkündete Grundsatz der Gewissensfreiheit galt, sondern auch in dem beginnenden Aufblühen des holländischen Welthandels. Wir finden bereits im Jahre 1608 zwei Synagogengemeinden in Amsterdam vor. Da die portugiesischen Juden, als besondere nationale Gemeinschaft, nicht die vollen Bürgerrechte besaßen und daher weder in die Gilden aufgenommen wurden noch Zutritt zum Hochschulstudium (mit Ausnahme des medizinischen) hatten, wandten sie sich der Buchdruckkunst und der Diamantindustrie, in der Hauptsache aber dem Großhandel und dem Geldwesen zu. Sie hatten einen bedeutenden Anteil an dem großen Aufschwung, den damals der holländische Handel nahm, 43