Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 10 (1934-1935)
- Issue
- Heft 1 (April 1934)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-04-01
- Page
- 41 (sequence 2)
- Language
- German
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herausgegriffen, da verständlich nur im Rahmen der Gesamtentwicklung der Neuzeit. Die Wahl fiel auf diesen Ausschnitt offenbar aus dem Bedürfnis des Zuschnitts auf eine Dissertation. Die Erzählung ist fließend, eine Vertiefung wird kaum versucht, bestenfalls in einem allegorischen Stil, der heute doppelt überaltert anmutet. Die wirklichen Kräfte (z.B. das Bankhaus Rothschild) werden zwar erwähnt, aber teilweise bagatellisiert oder bleiben farblos, wie J. Baruch, der Vater Börnes u.a. Wie viel hätte man nicht nur an historischer Erkenntnis gewinnen können durch Interpretation des Art. I des Gesetzes vom 2. 12. 1824, der gerade nur als Anlage aufgeführt wird und folgendermaßen lautet: „Alle in hiesiger Stadt gegenwärtig seßhaften israelitischen Familien und Individuen, nebst deren ehelichen Nachkommen, stehen als israelitische Bürger in dem Staatsunterthanenrecht der freien Stadt Frankfurt. Sie können zwar, indem sie von der unmittelbaren und mittelbaren Verwaltung des Staates und der christlichen Gemeinde ausgeschlossen bleiben, des vollen Staatsbürgerrechtes nicht theilhaftig werden .. .; jedoch werden sie in allen Gewerbs- und Abgabe- sowie in allen privatbürgerlichen Beziehungen mit den Bürgern hiesiger Stadt gleichbehandelt, insofern diese Beziehungen durch gegenwärtiges Gesetz . . . keine besondere Modifikation erhalten haben." H. R. (Kaimünz, Michael Laßleben, 1933 Photograph im Orient Der moderne Photograph photographiert den Kopf, sonst nichts. So wie der moderne Maler einen grauen Hintergrund wählt. Aber noch vor hundert Jahren wurde der Mensch vor der Landschaft porträtiert, hinter ihm war eine Ruine auf einem Berg, wie hundert Jahre vorher geraffter Vorhang und heruntergefallene Bücher, wie hundert Jahre vorher im Blau verschwimmend braun-grün die Bäume von Toskana. Und wenn die Spitzen der Intelligenz schon beim grauen Hintergrund halten, dann halten die einfachen Menschen immer noch bei der Landschaft mit der Ruine. Überall gibt es Photographen, die Staffagen bereit stellen, eine Freitreppe vor einem Schloß, bekrönt von einem großen Blumenkübel, oder einen Wagen mit Pferd, in den man sich setzen kann. Kurzum, sie halten dem Menschen seinen Wunschtraum bereit Minna schreitet die Treppe des Schlosses herab, während sie sonst hinter dem Ladentisch steht, und der Tischlerlehrling Fritz lenkt forsch den Wagen. Aber der Wunschtraum der Menschen scheint nicht international zu sein. Nicht für alle sind Schloß und Freitreppe ein Ideal, nicht für alle Wagen und Pferd. In Jerusalem zeigen begabte Photographinnen im Schaukasten Menschenköpfe, grell beleuchtet von der Jupiterlampe. Da sind hübsche Frauen, das Gesicht von einem modernen Schleierchen halb bedeckt, da sind großäugige Kinder. Aber gegenüber, auf der anderen Seite der Straße steht ein lebensgroß photographiertes 41