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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 528

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Über Familienforschung und ihre Grenzen
Date
1934-03-01
Page
528 (sequence 2)
Language
German
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besitzt, davon außerordentlich großen Gewinn hat, wenn diejenigen, die sie ausüben, die Erbanlagen der von ihnen Beratenen kennen. Es braucht auch nicht besonders gesagt zu werden, daß die pädagogische Arbeit der Lehrer und Erzieher gefördert wird, wenn sie von den Erbfaktoren, die bei der ihnen anvertrauten Jugend in Betracht kommen, wissen. So wertvoll aber auch erbbiologische Nachforschungen sind, so muß doch andererseits darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Anlagcfaktoren nicht ausschließlich den Charakter formen und gestalten. Darauf muß heute, da unsere Familicnforschung vielleicht zu einer Oberschätzung und Überwertung der Erbanlagen führt, besonders hingewiesen werden. In diesem Zusammenhang sei eine soeben erschienene Schrift von Dr. Eugen Schweizer, Die l 'rsachen der Kriminalität und der Verwahrlosung bei Kindern und Jugendlichen (Langensalza 1933) erwähnt. Die Untersuchung stützt sich auf 320 Fälle aus Jugendfürsorge und Jugendstrafakten. Schweizer erörtert die Frage, wie der Mensch zu asozialem Denken und Tun kommt, ob die Ursachen und Bedingungen in der Struktur des Milieus, in dem er aufwächst, oder in seinem ursprünglichen seelisch-geistigen Gesamtgefüge begründet sind. Seine Stellungnahme hat er sehr klar umschrieben: es gibt keine Anlagecntwicklung ohne Wirkungen von der Umwelt her. Von den Milieuwirkungen erhält das Erbgut erst seine Richtung und Bestimmtheit. Ernst Steckelmacher. Günther Dammann: Die Juden in der Zauberkunst, Berlin 1933 Erfreulicherweise ist das kleine Buch von Günther Dammann nicht aus apologetischen Absichten entstanden. Ein Mann aus der magischen Zunft, der seine Berufs- und Lichhabcrkollegen recht gut kennt, will einmal feststellen, wieviele berühmte „Zauberer" jüdischer Abstammung sind. Und das Ergebnis der sehr fleißigen Arbeit ist erstaunlich. Bis in das IS. Jahrhundert verfolgt er Spuren jüdischer Prestidigitatcure, Taschenspieler, Kartenkünstler, Magier usw. Sogar der berühmte Lichtenberg hat sich einmal mit einem jüdischen Zauberkünstler, Philadelphia, befaßt und ihn aus Göttingen jagen helfen. Die Göttinger sind also um einen großen Genuß gekommen. Aber wer etwa hat gewußt, daß der König der Zauberer, dessen Name selbst von magischem Glanz umstrahlt ist, Bellachini, auf dem jüdischen Friedhof in Weißensce begraben liegt? Niemand hat geahnt, daß Horace Goldin, der jeden Abend eine springlebendige Dame auf offener Bühne in zwei Teile zersägt, ebenfalls Jude ist; übrigens, sehr wichtig: er sägt jetzt mit einer fürchterlich surrenden, elektrischen Kreissäge; früher geschah die Operation mit einer simplen, zwei Meter langen Handsäge. Dammann vermittelt mit großer Eindringlichkeit das Wissen um die besonderen Tricks jedes Einzelnen, und als Historiker spricht er von den entscheidenden Neuerungen, um die der Illusionist X oder Y die Zauberkunst bereichert hat. Leider sagt er uns nicht, „wie's gemacht wird", und das ist sehr bedauer- 528

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