Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 9 (März 1934)
- Article
- Zehn Jahre "Morgen"
- Date
- 1934-03-01
- Page
- 499 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zehn Jahre .Morgen' volle und Lesenswerte bringen. Das „Israelitische Familienblatt" spricht von Äußerungen einer abgeklärten Reife, an denen ein Beobaditer der jüdisdideutsdicn Gegenwart nidit vorbeigehen kann (46/33) und von dem beispielhaft guten Niveau der Zeitschrift (4/34). Sehr freundlich haben die größeren Gemeindezeitungen die neue Erscheinungsform beurteilt: Die sdimalen, sdiöngedrudiicn und gesdimadtvoll aufgetnaditen Hefte bringen eine Fülle anregender Aufsätze und Glossen zur Gesdiidite und Situation der Juden, besonders in Deutsdüand. Der Charakter einer wissensdiaftlidien Aufklärungsarbeit ist zurückgetreten gegenüber einer frisdien, klar betonten Gesinnung . . Mit diesem zu neuem Leben gebraditen Forum jüdisdier Forsdterarbeit verknüpft sidt die Hoffnung weiter Kreise der jüdisdien geistig Sdiaffenden. denen hier die Möglidikcit. Anregungen zu empfangen und zu geben, aufgetan ersdieint. schreibt das Frankfurter Gcmcindcblatt (4/33). Das Nürnberg-Fürtlicr Gemeindeblatt findet in vollem Maße die Hoffnungen erfüllt, die man an das Ersdieinen einer altbewährten, aber von neuern Sdiwunge getragener; Jüdischen Zeitsdirift knüpfen durfte. Sie entspreche den Forderungen, die heute eine jüdisdie Zeitsdirift an sidt zu stellen hat: bei aller Vielfältigkeit und Gegenwartsnahe der Stoffe dodi eine innere Linie und bei aller Frisdie und Lebendigkeit ein geistiges Niveau zu wahren (11/34). Fbenso erkennt die Düsseldorfer Gemeindezdtung (3/33) dem „Morgen" das hohe Niveau einer wegweisenden Zeitsdirift zu. Dem Berichterstatter der orthodoxen „Laubhütte" (Nr. 25, 1933) bietet sie viel Interessantes. Die Logenschwester fatit eine ausführliche Würdigung dahin zusammen, daß dieser bemerkenswerte Vcrsudi. dem geistigen Sdii&sal der deutsdien Juden Ausdruck zu verleihen, die lieaditung aller wadien jüdisdien Mensdien verdient (L2/33), und in besonders verständnisvoller Weise werden die „BiAtter des jüdischen Frauenbundes" den Aufgaben einer solchen Zeitschrift gerecht: Daß die Urnformung der Zeitsdirift dankbar begrüßt werden muß. beweisen die vorliegenden Hefte. Das deutsdie Judentum braudit heute eine Tribüne für geistige Auseinandersetzungen, die anderes bietet als — wesentlidi Tagesfragen dienende — Zeitungen, die aber dodi audi dem interessierten Durdisdwittsmensdien ohne besondere wissensdiaftlidie Sdiulung zugänglidi ist. Und gerade audi denjenigen, die erst beginnen, der Gedankenwelt des Judentums näher zu kommen, muß von der gristigjüdisdten Bewegung ein Bild vermittelt werden, das ihre Lebendigkeit und Vielseitigkeit widerspiegelt. Daß dies der neuen Sdiriftleitung bisher gelungen ist. wird sdion an den Namen der Autoren . . deutlidi 0/34;. Dieser Fülle freundlicher Zustimmung, der Zitate, Nachdruck und Beachtung über den Kreis der deutschen Presse hinaus entsprechen, stellt kaum Kritik gegenüber. Einzelne unserer Arbeiten, die nach Form oder Stoff nicht die Zustimmung eines Referenten fanden, gefielen dem andern um so besser; wir wollen auch keine restlose Ucbereinstimmung aller Urteile erreichen. — es wäre ein Zeichen von Langeweile. So können wir also nur von einer einzigen grundsätzlich negativen Kritik sprechen, die unter dem Titel „Vom .Morgen' bis Mitternacht" in der „Jüdisch-Liberalen Zeitung" (23/33) erschien; sie warf uns eine Art geistigen Verrats des deutschen Judentums .an die Zionisten vor. Wir haben uns, als sie erschien, nicht veranlaßt gesehen, anders auf sie zu erwidern als durch ruhige Fortführung unserer Arbeit, und wir sehen jetzt, nachdem diese Zeitung selbst ihren früheren Kurs nicht weiterführt, noch weniger Veranlassung, uns in eine so einseitig parteipolitische Diskussion einzulassen. Wir halten an unserem Glauben fest, daß dem deutschen Judentum, einem einheitlichen Schicksal gegenüber, eine einheitliche Haltung ziemt, und haben bisher keine Schwierigkeit darin gefunden, alles und alle zu Worte kommen zu lassen, die sich eine solche Haltung zu eigen machen wollen. Doch sehen wir es nach wie vor als unsere Aufgabe an, die Fragen des deutschen Judentums in den Vordergrund zu rücken: die Kräfte, die zu ihrer geistigen Durchdringung über die Fragen des Tages hinaus eingesetzt werden, müssen eine Stätte haben und behalten. 500