Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 480 (sequence 2)
- Language
- German
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inen türkischen Sekte sich auf die •letzten menschlichen Fragen zuspitzt: hie Okzident, hie Orient. Diese Gerechtigkeit nach beiden Seiten sichert den hohen Stil des Romans und bewahrt ihn vor dem Abgleiten zum bloßen Tendenzwerk. Es ist nicht nur ein bisher unbekannter Werfel, der sich vor dem Geheimnis des Blutes beugt, es ist der E t h i k e r, wie wir ihn seit je kennen, der Gabriel sagen läßt: „Ich will nicht nur leben, ich will einen Wert haben!" „Und doch ist gut sein mehr als glücklich sein" — dieses Wort aus „Juarez und Maximilian", Leitmotiv zu Werfeis ganzem Werk, wird nun an den tiefen, unruhigen Kräften des Blutes geprüft. Es behält seine Kraft. Aber es deutet sich neu: Selbsterkenntnis und Selbstb c kenntnis sind vor das Gut-sein wie vor jedes Sein gesetzt. Herbert Friedenthal. Der „Bund deutsch-jüdischer Jugend" Vor kurzem haben sich mehrere deutsch-jüdische Bünde und Gemeinschaften im „Bund deutschjüdischer Jugend" zusammengefunden. Damit besteht wieder ein großer Bund deutsch-jüdischer Jugend, dem wesentliche Aufgabengebiete bei der Neugestaltung des jüdischen Lcbensraunies in Deutschland zufallen werden. Jeder, dem am Sichtbarwerden der Massen deutsch-jüdischer Jugend etwas liegt und der meint, daß das Heil nicht in der Parteiung und Zersplitterung liegt, wird diesen Zusammenschluß begrüßen. Junge Menschen aus allen Gauen Deutschlands haben in Lehnitz die Einigung durchgesetzt, weil sie Gemeinschaft aller jungen deutsch-jüdischen Kräfte über alle Unterschiede hinweg wollten. Trotzdem darf die organisatorische" Einigung nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß eine innere haltungsmäßige Einheit im Augenblick noch nicht erreicht ist. Im neuen Bund wird nun die innere Auseinandersetzung der geeinten demsch-jüdischen Jugend erfolgen müssen. Wir dürfen ihr nicht ausweichen, so vordringlich auch im Augenblick praktische Dinge sein mögen. Bisher haben die selbständigen Bünde ihre Eigenständigkeit mit Recht aus ihrer besonderen weltanschaulichen Haltung begründet. Nun wird eine neue Linie deutsch-jüdischer Haltung gefunden werden müssen. Sie ist jedoch nicht dadurch zu gewinnen, daß jede Gruppe von ihrem alten Standpunkt etwas abläßt. Denn erst aus einer Fortsetzung der inneren Auseinandersetzung, nicht aus ihrer Vernachlässigung kann eine neue deutschjüdische Grundhaltung entstehen. Wohin diese Entwicklung gehen wird, kann niemand sagen: Entwicklung ist kein Rcchcnexcmpel, das im Prinzip schön gelöst ist, wenn man die Faktoren kennt. Der neue Bund wird vielmehr in dieser Auseinandersetzung erst zu erweisen "haben, was er ist. Seine ganze Zukunft hängt hiervon ab. Alle Möglichkeiten sind in den Händen seiner Führer, denen Tausende von Menschen folgen. Man kann den Bund nicht besser begrüßen als mit der Hoffnung, daß es ihm gelingen möge, auch sein inneres Ziel zu erreichen. Heinz Warschauer. 480