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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 471

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Mendelssohns Tod
Date
1934-02-01
Page
471 (sequence 2)
Language
German
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Mendelssohns Tod Mendelssohns Tod erregte im geistigen Deutschland der Aufklärungszeit weithin Aufsehen. Erbitterte Diskussionen entspannen sich in deutschen Blättern über die Ursache dieses scheinbar so plötzlichen Abschieds eines Mannes, der das sechzigste Jahr nicht erreicht hatte, ja man kann fast sagen: es begann sich eine Legende um diesen Tod zu bilden. Wie man etwa in der Familie Reimarus, im Hause der bekannten Hamburger Lichtfreunde, aus dem sich Lessing seine berühmten „Fragmente des Wolfenbütteler Ungenannten" geholt hatte, über diesen Tod dachte, das zeigt ein Brief der Doktorin Reimarus an ihren Bruder August von Hennings (27.1.1786). Sie schickt ihm Mendelssohns letztes Werk „Moses Mendelssohn an die Freunde Lessings" und schreibt dazu: .Du mußt Mendelssohns letzte Worte durdi meine Hände erhalten. Wer hat so wie er von der Welt Absdiied genommen! Bei den Worten .Idi mödite selbst von der Autorität eines Erzengels nidit abhängen" kam es mir vor. als wenn Lessings Geist süh mit Mendelssohns Seele vereinigte zu einer Stimme! . . . In Jacobis Stelle müdite idi für alles in der Welt nidit sein. . . . So recht im Gefühl von Lessings und Mendelssohns Wert kommt es mir fast vor, als ob der letztere nie sdiöner hatte sterben können.' Wie hat nun dieser vielbeklagte Tod auf Sophie Becker, die Empfängerin des letzten Mendelssohn-Briefes gewirkt, die doch als Reisebegleiterin der Gräfin Elisa von der Recke gerade in dieser letzten Lebenszeit öfters in seiner unmittelbaren Nähe gewesen war? Einiges darüber wußten wir schon aus ihren Tagebüchern. Jetzt aber fanden sich im Nachlaß der Elise Reimarus, der Freundin Lessings und Mendelssohns, eine Anzahl völlig unbekannter Briefe dieser jungen Kurländerin, die ihrer Zeit auch als Schriftstellerin nicht unbekannt war. Aus diesen Briefen nun dringt neues Licht über Mendelssohns Tod und die schon beginnende Legendenbildung, die der gescheiten Frau nicht entgeht. Elise Reimarus hat ja — sehr gegen ihren Willen — in Mendelssohns letztem Lebensjahre eine fast verhängnisvolle Rolle gespielt. Sie ist die „Dalila von der Elbe", wie einer der geistreichsten und boshaftesten Männer der Zeit sie nannte; von ihr zuerst erfuhr Mendelssohn damals das Geheimnis, das seine letzten Tage umschattete und — wenn man mancher Stimme aus seiner Zeit Glauben schenkt — seinen Tod beschleunigte: daß Lessing, der Freund seines Lebens und Denkens, in setner letzten Lebenszeit, wie Jacobi nach einer mündlichen Unterredung behauptete, ein Spinozist, also im Sinne der Zeit: ein Atheist gewesen sei. Von dem berühmten „Pantheismusstreit" zwischen Jacobi und Mendelssohn, der sich daraus entspann, ist hier nicht zu reden. Es soll nur einiges aus den bisher unbekannten Briefen der Sophie Becker mitgeteilt werden, weil sie zur Geschichte von Mendelssohns Krankheit und Tod bisher unbekannte Emzel- 471

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