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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 428

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Eugen Fuchs zum 10. Todestag
Date
1934-01-01
Page
428 (sequence 2)
Language
German
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haben, kam bei ihm aus dem Ursprung, war gewachsene Wirklichkeit, war Gestalt geworden. Aber wir tragen alle die Last des Schicksals, das uns nicht erlaubt, groß und einfach unsere Wirklichkeit zu leben. So trieb die zunehmende Ablehnung in der deutschen Umwelt, andererseits aber auch das Aufkommen und Vordringen der nationaljüdischcn Lehre auch Eugen Fuchs in die Problematik. Und auch er suchte nach Erklärungen und Formeln, um nach außen verständlich und faßbar zu machen, was er selbstsicher in sich trug. Er gab im öffentlichen Kampf, in Reden, Schriften und Auseinandersetzungen nichts von seinem Deutschtum preis und nichts von seinem Judentum. Aus dem Wissen um sich selbst, um die in ihm lebendigen Werte und Kräfte begriff er, immer stärker und sicherer, das Judentum als Stammcsgemcinschaft, gefügt und gehärtet durch eine große und stol/e, mit Kämpfen und Stürmen, mit Triumphen und Leiden erfüllte, mit der Kraft und Treue eines Gottesvolks überdauerte Geschichte. Und er lebte und forderte Bekenntnis und Treue zu diesem Judentum, zur jüdischen Eigenart, erkämpfte für die Einheit der deutschen Juden, über Parteien und Richtungen hinweg. Sic alle tragen ja das stolze Erbe ihres Judentums, sie alle stehen unter dem gleichen Schicksal, streben nach Recht und Gerechtigkeit und würdigem Leben. Blättert man heute in Eugen Fuchs' Reden und Aufsätzen, so mutet einen — wie könnte es anders sein! — vieles veraltet, zeitgebunden und überholt an: Diskussionen, die er geführt, Auffassungen, die er vertreten, Formulierungen, die er geprägt. Aber ungemindert bleibt die Leuchtkraft der Gestalt. Berthold Weinberg. Soziale Ethik Es sind in der letzten Zeit von sciten der Arbeitnehmer und der Handwerker gewisse Klagen laut geworden. Man hat jüdische Hausangestellte mit einem Lohn von zehn Mark für den Monat einstellen wollen, und ein Führer des jüdischen Handwerks beschwerte sich über oft ungerechtfertigt hohe Ansprüche des jüdischen Publikums. Man muß einmal darauf hinweisen, daß das erlittene Schicksal zwar alle betrifft, daß aber die Gemeinsamkeit des Erleidens, die passive Gemeinsamkeit noch lange nicht eine Gleichheit des Bewußtseins notwendig zur Folge hat, oft gar nicht zur Folge haben kann. Nicht bloß das Bewußtsein, sondern die Welt des Lohnempfängers ist eine andere als die des Arbeitgebers, bei allem vorhandenen Interesse der beiden Parteien für die gemeinsame Sache. In unserer durchrationalisierten Welt ist die Arbeit und das Arbeitsverhältnis besonders stark rational gestaltet. Es wäre grundverkehrt, die Gemeinsamkeit des Schicksals in eine. Sphäre hineinzutragen, in der das Prinzip der Sachlichkeit unbedingt herrscht und die Arbeit nur sachlich erledigt werden kann. Jedes andere Prinzip würde die Gewinnung eines festen Maßstabes für eine neue Lebensordnung nur noch schwieriger machen. Jede Arbeit sei ihres Lohnes wert und. nur ihres Lohnes. E. Rthl. 428

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