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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Schmelztiegel Palästina
Date
1934-01-01
Page
424 (sequence 6)
Language
German
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Friedrich Brodnitz: Schmelztiegcl Palästina derung ein ganz unentwickeltes Land war, ist sein äußeres Gesicht sehr stark durch die jüdische Einwanderung bestimmt worden, und die Bezeichnung „das Preußen des Orients" ist nicht falsch, wenn man etwa Tel Aviv mit Beyruth vergleicht. Wenn aber heute das jüdische Palästina sein eigenes Leben lebt, ohne sich um die arabische Welt anders als unter dem Gesichtspunkt einer politischen Gefahr zu kümmern, so liegt darin ein großes Problem. Gewiß ist es richtig, die jüdische Position in Palästina mit rücksichtsloser Energie so stark wie möglich zu machen, und das um so mehr, als der Orientale den Nachgiebigen und Schwachen gering bewertet und sich nur mit dem Starken an einen Tisch setzen wird. Aber daneben muß noch sehr viel getan werden, um Verständnis für eine tiefere Auseinandersetzung mit der arabischen Welt zu wecken. Der Hochmut, mit dem heute die jüdischen Kinder gegenüber den Arabern aufwachsen, ist oft erschreckend. Dieser Geringschätzung, die vor allem auf der großen Differenz der wirtschaftlichen und intellektuellen Höhe beruht, wird der Boden entzogen werden durch die Umwandlungen, die sich innerhalb der arabischen Welt vollziehen. Die soziologische Angleichung erfolgt langsam, ist aber deutlich erkennbar. Die europäisch geschulte arabische Führerschicht ist nicht mit dem Kreis der feudalen Effendis gleichzusetzen, die den Fellachen in Unwissenheit und wirtschaftlicher Knechtung erhalten wollen. Man will es auf jüdischer Seite nicht immer wahr haben, daß hier auch modernes, echtes Nationalgcfühl um Geltung ringt. Und man hat es einer kleinen Gruppe sehr verübelt, daß sie darauf hingewiesen hat, daß diese arabische Welt ihre kulturellen Eigenwerte hat, die man kennen muß, um dem Araber gerecht werden zu können. Man hört jetzt manchmal die Meinung, daß die deutsche Alijah hier eine wichtige Funktion haben könnte. Wir halten das für durchaus möglich, müssen aber gleich die Einschränkung machen, daß die Voraussetzung hierfür jüdische Stärke ist. Das heißt, daß alles, was hier im Interesse einer friedlichen Auseinandersetzung geleistet werden könnte, erst nach der jüdischen Einordnung geschehen kann. In einem Lande, in dem die eigene Gruppe noch so sehr um Geltung und Lebensräum ringen muß, kann nur der für Ausgleich eintreten, der durch Gesinnung und Tat sich den größten Kredit im eigenen Kreise verschafft hat. Wer gekämpft hat, darf dann tolerant sein. Wer es ohne Taten im Dienste der eigenen Gemeinschaft sein will, wird von den Eigenen mit Mißtrauen betrachtet, von der Gegenseite als schwach angesehen werden. Sicher ist freilich, daß die Zukunft nicht im Kampf, sondern im Gespräch zweier ihrer Werte bewußter Partner liegen wird. ~ . , . . D . fe Friedrich Brodnitz. 424

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