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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 387

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Der Vortrupp
Date
1933-12-01
Page
387 (sequence 2)
Language
German
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und außerhalb des Religiösen keinen eigenen Gcstaltungswillcn haben. Damit ist die positive Zielsetzung des „Vortrupp" gegeben. Er will gegenüber den Liberalen und den Zionisten die neue Front mit jüdisch- und deutsch-konservativer Prägung aufrichten. Die heroischen Gefühle und disziplinaren Tugenden, die eine Bindung von oben her voraussetzt, werden bejaht und mit ihrer Hilfe wird der Anschluß an die Gedankengänge des Nationalsozialismus vollzogen. Die Mission des Dritten Reiches gegenüber dem Bolschewismus und den westlichen Demokratien wird rückhaltlos anerkannt. Dem „Vortrupp" wird die Aufgabe zuerkannt, deutsch-bewußte Juden so zu erziehen, daß sie von innen her ein Jawort zu diesem welthistorischen Geschehen sagen können. Die Frage, ob die Hilfe der Juden in diesem Kampf erwünscht ist, spielt für Schoeps eine nur untergeordnete Rolle. Inwieweit können wir als deutsche Juden uns von diesem Programm angesprochen fühlen? Da muß zunächst gesagt werden, daß von allen Versuchen, durch ein erneutes Erfassen des Deutschtums den Anschluß an das Geschehen der Zeit zu suchen, der Vorstoß von Schoeps am ernstesten zu nehmen ist. Denn hier ist weder äußerliche Gleichschaltung noch unwürdige Anbiederung gemeint, sondern hier spricht sich ein jüdischer Mensch aus, dem die preußisch-konservative Staatsidee tiefste Erfahrung seines Lebens geworden ist. Darum werden weder die aus dem Emanzipationszcitalter herrührenden Formalrechte noch die im Krieg erlittenen Verluste zur Rechtfertigung der eigenständigen deutschen Haltung herangezogen. Sie wird vielmehr als Schicksal und Aufgabe in einem tiefen Sinn erfaßt. Trotzdem ist zu befürchten, daß sich Schoeps beim Aufbau sein es Weltbildes desselben Vergehens schuldig macht, das er bei seinen Gegnern so rücksichtslos geißelt: der Assimilation. Das zeigt sich nicht nur in der krampfhaften Übernahme der Sprache der Zeit: die neue jüdische Front muß unbedingt die dritte Front, ihre Antwort die dritte Antwort sein, obgleich ein genaueres Zusehen feststellen muß, daß neben der liberalistischen und der zionistischen ja immer noch die konservativ-orthodoxe Richtung im deutschen Judentum vorhanden ist. Wenn dann gesagt wird, der Vortrupp werde in Zukunft nicht mehr reden, sondern marschieren, so mag der hündische Charakter der Bewegung solchen Gleichschritt rechtfertigen. Stutzig wird man aber, wenn man hört, daß zur 7f* zi%e*izt Sache! Der Morgen hat sidi von einer wissensdiaftlidien Zeitsdirift zu einer lebendigen Revue des deutsch-jüdischen Kulturkreises gewandelt. — Viele, die bisher beiseite standen, hofft er nun in den lebendigen Kreis seines Wirkens einbeziehen zu können. — Wir haben seinen Umfang um 150 Seiten im Jahr vergrößert, ohne seinen Preis zu erhöhen. Wir hoffen, wenn unsere Leser uns durdi Zuführung neuer Abonnenten helfen, den Umfang nodi weiter steigern und trotzdem das Jahresabonnement ab 1. 4. ermäßigen zu können. Schon jetzt erhalt im Dezember eine Probenummer kostenlos, wer bis zum 25.12. 33 die Zeitsdirift für das 1. Quartal1934 abonniert. 4 Hefte etwa 200 Seiten stark kosten so nur 3 Mark PHILO VERLAG und Buchhandlung BERLIN W15, Pariser Straße 44 Postscheckkonto Berlin 83512 387

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