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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 384

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Vier Rabbiner-Bücher [Rezension]
Date
1933-12-01
Page
384 (sequence 2)
Language
German
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risch, teilweise, ohne es zu wollen, rein dokumentarisch eine ziemlich erschöpfende Antwort. Das Kernstück von Baecks Aufsätzen und Reden bleibt sein Beitrag aus dem Jahr 192S für den „Jcwtsh Guardian": Predigt und Wahrheit. Das 19. Jahrhundert hat die geschlossene Gemeinde aufgelöst und den einzelnen Juden der Außenwelt preisgegeben, wo er doppelt und dreifach ausgesetzt war. Selbst für das gesetzestreue Judentum blieb in Deutschland keine andere Wahl, als die Einordnung in die Welt des Kapitalismus, der fortschreitenden Technik, der Mechanisierung der Einzel- Icistung in Einklang zu bringen mit den strengen Gesetzen des Judentums. Welchen Verfälschungen der geistigen Ordnungen des Judentums dieses selbst durch die verschiedenartigsten Harmouisierungsvcrsuche ausgesetzt war, lernen wir aus den vier Werken mit erschreckender Deutlichkeit. Perversion der Begriffe Offenbarung und Erlösung? Wie leichtfertig ist dieser Vorwurf! Kann Gerhard Scbolem seine leidenschaftliche Anklage, daß das deutsche Rabbineiium den Zusammenhang historischen Schicksals verloren und sich in den leeren Kaum des Deklamatorischen verirrt habe, angesichts dieser Äußerungen der Berliner Rabbiner noch aufrechterhalten? Der Wunsch steigt auf, daß Herr Rabbiner Prinz, bevor er zu seinem Ritt gegen die „Juden am Rande" gestartet, jene Erkenntnis Baecks („Predigt und Wahrheit") noch einmal eingesogen hätte: „Manches Judentum scheint bisweilen predigendes Judentum oder auch Judentum der Prediger zu sein." Bei Baeck selbst verstummt das Oratorisch-Klangliche der Sprache oft vor der wortlosen Einsicht. In seinen Reden und Aufsätzen ist lue und da ein Stillwerdcn zu beobachten. Den Vortrag empirischer Einzelheiten und wissenschaftlicher, abgelegener Einzelzügc hält er geflissentlich von seinen Sprachkunstwerken fern. Im Gegensatz dazu gibt Max Wiener reine voraussetzungslose Wissenschaft. Seine Darstellung der religiösen Systeme der Judenheir des 19. Jahrhunderts nach dem Bruch der jüdischen Einheitskultur ist auch in der sprachlichen Form eine Glanzleistung und das Ergebnis originaler Forschung. Eine glückliche Ergänzung zu Wiener ist Bergmanns Zusammenschau der sich auf den ersten Blick scheinbar einander ausschließenden geistigen Strömungen im Judentum, das trotz alledem eine erstaunliche Einheit blieb. Den vier Rabbiner-Büchern aus der Heiligen Gemeinde Berlin wird man nur gerecht, wenn man jedes für sich in seinem ganzen Ausmaß, in seinem Reichtum und mit seinen Schranken im einzelnen würdigt. Dies geschieht an anderer Stelle dieser Blätter. Wir vergleichen die einheitliche Gesamthaltung der vier Werke mit den Äußerungen, die im Juniheft des „Morgen" über die Stellung der Rabbiner in der Gemeinde wiedergegeben waren: diese Äußerungen und jene ausgearbeiteten Bücher geben ein aufschlußreiches und nachdenklich stimmendes Bild von den erfüllten und nicht erfüllten Aufgaben der religiösen Führer in unseren jüdischen Gemeinden. Mehr als darauf hinzulenken, ist mit diesem ersten kurzen Hinweis nicht beabsichtigt. L. F. 384

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