Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Rembrandt und Spinoza [Rezension]
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 380 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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r*OK"3jlK Rembrandt und Spinoza Julius Bab hat im Philo-Vcrlag ein Büchlein dieses Titels erscheinen lassen. „Wenn ein deutscher Jude heute ein Buch schreibt", heißt es hier zum Geleit, „so wird er zu der Frage nach seiner Existenz als Deutscher und als Jude einen Beitrag liefern müssen". Spinoza und Rembrandt sind beide lange tot, aber der Denker und der Künstler sind, und wohl für immer, gegenwärtige Menschen, weil sie zu wirken nicht aufhören können. Merkwürdiger Gegensatz der beiden auch örtlich und atmosphärisch verbundenen Zeitgenossen! Der eingewanderte Jude, mit dem großen Bann der Synagoge belegt, zog sich von seinen Stammesgenossen zurück; der protestantische Holländer zog in die Jodenbreestraat, und das Buch, das er am liebsten aufschlug, war die Bibel: sein Märchenbuch, sein Traumbuch, seine eigene Geschichte von den Erzvätern bis zu Jesu, der bei ihm als ein junger jüdischer Rabbi und gewiß nach einem Modell des Amsterdamer Ghettos erscheint. Wie überraschend enthüllt sich die heutige Zentralfrage auch aus den damaligen Verhältnissen! Hier heißt es von den aus Spanien eingewanderten Marannen, mit denen ja auch Spinoza kam, daß sie seit drei Generationen in der christlichen Tradition lebten, daß sie dem Judentum, zu dem sie unter dem Chok der Verfolgungen zurückkehrten, gänzlich entfremdet waren. Das 20. Jahrhundert hat wieder seine Marannen. Was ist oder blieb jüdisch an Spinoza? Bab hatte hier keine fachlichen philosophischen Forschungen zu treiben, so wenig wie er die Bedeutung von Rembrandt in der europäischen Kunst erst zu begründen brauchte; es genügt ihm und uns, wenn er erkennen läßt, daß der reine Monotheismus des Juden Spinoza die Voraussetzung für seinen Pantheismus gegeben hat und daß es seine große ethische Erscheinung war, die einen Lessing, Goethe, Schleiermachcr begeisterte. Der gedrängte Abriß von Rembrandts tragischer Existenz stellt die vielen Beziehungen heraus, die er zum Judentum unterhielt. Seine einzige Buchillustration galt dem Werk des jüdischen Mystikers Menasseh ben Israel, der auf fast Paracelsischen Wegen die „Piedra gloriosa", den Stein der Weisen suchte. Es ist auch von Bab schlüssig und ohne gefälliges Entgegenkommen gefolgert, wenn er sagt, daß der größte europäische Maler, der den Saul, den Jakob, den Simson, oder vielmehr, der sich in all diesen Figuren und noch, anderen der Bibel malte, damit auch die Empfindung von einer Schicksalsverwandtschaft zum Ausdruck gebracht hat. Julius Bab gab uns ein Büchlein, das uns in wohltuender Weise warm macht und auch zu denken gibt Arthur Eloesser. 380