Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Berufsausbildungsstätten u. Schulheime für jüdische Jugend
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 379 (sequence 1)
- Language
- German
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Berufsausbildungsstätten u. Schulheime für Jüdische Jugend Da die Beschaffung von Einzelstellen für schulentlassene Jugendliche sehr schwierig ist, hat man nach und nach Stätten für landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung und Umschichtung geschaffen, in denen eine größere Zahl jüdischer Jugendlicher gemeinsam unter Anleitung erfahrener Lehrer ausgebildet werden kann. Die Dauer der Ausbildung beträgt im Durchschnitt ein Jahr. Neben dem praktischen Lehrgang findet überall theoretischer Unterricht statt. Landwirtschaft!. Ausbildungsstätten: 1. Israelitische Gartcnbauschule Ahlem bei Hannover. Ausbildung im Gartenbau für Lehrlinge (4jährig) und Umschichtende {Jahreskurs); etwa 40 Praktikanten. 2. Groß-Gaglow bei Kottbus. 30 Praktikanten, die im Gartenbau ausgebildet werden. 3. Landwerk Ncucndorf bei Fürstenwaldc (Spree). Eigenbetrieb, produziert also nur für den Selbstverbrauch. Ausbildungszweige: Landwirtschaft und Hauswirtschaft. Zur Zeit etwa 120 Praktikanten. 4. Siedlcrschulc bei Waidmannslust. Garten- und Häuserbau mit dazugehörigen Arbeiten. 100 Praktikanten. 5. Friedhofsgärtnerei Weißensee. Die Ausbildung besteht im wesentlichen in der Gewöhnung an schwere körperliche Arbeit, z. T. Ausbildung in Blumengärtnerei. 40 Praktikanten (kein Internat!). 6. Wilhclminenhöhe bei Hamburg. Gartenbau und Landwirtschaft. 50 Praktikanten. 7. Winkel bei Spreenhagen (Mark). Gelehrt wird Landwirtschaft, Gartenbau u. Hauswirtschaft. 30 Praktikanten. Handwerklehrstättcn: In allen größeren Städten sind Eigenbetriebe errichtet worden, die als Lehrwerkstätten dienen; alle wichtigen Handwerke werden gelehrt: Schlosserei, Tischlerei, sämtliche das Baugewerbe betreffende Handwerke, Glaserei usw. Durchschnittlich 20 Praktikanten. Außerdem unterhält der „Heehaluz" seit Jahren Eigenwirtschaften zur landwirtschaftlichen und gärtnerischen Ausbildung für Palästina. In den Landschulheimen werden schulpflichtige Kinder nach den Lehrplänen der heutigen Schule unterrichtet, wobei dem Handfcrtigkeitsunterricht eine besondere Beachtung geschenkt wird. Wegendes privaten Charakters der Landschulheime kann auf ihnen kein staatliches Abschlußexamen abgelegt werden. Es gibt z. Zt. folgende Heime: 1. Landschulheim Herrlingen bei Ulm. Leiter Hugo Roscnthal. Unterricht nach dem Lchrplan der höheren Schule, gleichzeitig landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung. Positiv-jüdisch für Jungens und Mädels. 2. Landschulheim Fräulein Dr. Fcyertag, Caputh bei Berlin. Berechtigung zum Volksschulunterricht für Jungens und Mädels. Positivjüdisch, aber nicht orthodox. 3. Private Waldschule Kaliski, Berlin-Grunewald. Leiter Dr. Selver. Volksschulunterricht. Nimmt Jungens und Mädels auf. Die Einstellung ist ebenfalls positiv-jüdisch. 379