Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Neuordnung im jüdischen Schulwesen
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 327 (sequence 2)
- Language
- German
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lung des jüdischen Schulwesens insofern, als hier modernes Judentum und Judenheit völlig im Mittelpunkt der Erziehung stehen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auch hier die Gefahr einer gewissen Einseitigkeit naheliegt. Heute gibt es höhere jüdische Schulen in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt a. Main, Leipzig, Fürth und Breslau. Alle diese Schulen haben auch die Berechtigung zum Mädchenunterricht, vereinigen also in sich eigentlich zwei Schulkörper. Sie werden von ungefähr 2500 bis 3000 jüdischen Kindern besucht. Außerdem gibt es in vielen größeren Gemeinden jüdische Volksschulen, die teils Staatsschulen, teils Kommunalschulen oder Privatschulen sind und von ungefähr 10000 bis 12000 Kindern besucht werden. Die Lehrpläne der höheren Schulen folgten bisher (unter Einbeziehung eins verstärkten Religionsunterrichts) im allgemeinen den Richtlinien der einzelnen Länderregierungen für höhere Schulen. Die meisten stellten einen Realgymnasial- bzw. Oberrealschultyp dar. Auch die Volksschulen richteten sich nach den für diese Schulart geltenden Bestimmungen. Sowohl die höheren jüdischen Schulen als auch die meisten jüdischen Volksschulen haben auch unter der neuen Regierung die Lehrberechtigung erhalten und werden sie voraussichtlich behalten können. . Da in der Gegenwart ungefähr 60000 jüdische Kinder zwischen 6 und 14 Jahren die allgemeinen Schulen Deutschlands (eingerechnet die jüdischen Schulen) besuchen, so werden die zuständigen jüdischen Instanzen dazu übergehen müssen, eine ausreichende Zahl von jüdischen Schulen ins Leben zu rufen, wobei eine gewisse, nicht übermäßige Auswanderung sowie die drohende Geburtenverminderung selbstverständlich berücksichtigt werden soll. Es besteht begründete Aussicht, daß Schulen eines gehobenen Volksschultypus die staatliche Genehmigung erhalten werden. Diese Schulen sollen der jüdischen Jugend außer der allgemeinen Bildung ein gediegenes, gegenwartsbezogenes jüdisches Wissen, die Kenntnis der hebräischen und der neuen Fremdsprachen sowie eine gewisse handwerkliche, landwirtschaftliche und gewerbliche Vorbildung vermitteln. Diese nach einheitlichen Lehrplänen arbeitenden Volksschulen werden neben den bestehenden höheren und mittleren Schulen den neuen Schultyp für die jüdische Jugend darstellen, der es ihr ermöglicht, sich neben einer ausreichenden geistigen Bildung eine gewisse Berufsvorbildung anzueignen. Besonders für diesen Zweck wird man gegebenenfalls noch besondere Fortbildungsstätten im Anschluß an die Vcl!:-- und höheren Schulen schaffen müssen. Die Ausbildung der jüdischen Lehrer wird sich nach diesen neuen Anforderungen richten. Es wird notwendig sein, die künftige jüdische Lehrerschaft für ihre besondere Aufgabe auch in besonderer Weise vorzubereiten. Die kommende Lehrergeneration wird die Arbeit, die ihrer im neuen jüdischen Schulwerk harrt, nur dann erfüllen können, wenn sie mit ihrer fachlichen Vorbildung reiche jüdische Kenntnisse sowie eine tiefe Liebe zum Judentum und zur jüdischen Jugend verbindet. Heinz Cohn. 327