Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Die jüdische Schule
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 196 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Jaiob Horovxtz ganzen Kraft nur aus der Vertiefung in die Quellenschriften des Judentums in es einzuströmen vermag. Ein Kind, dem die Psalmen und Jesaia in der Ursprache vertraut sind, und das etwa aus dem Sefer Ha-Aggada von Bialik die schönsten Erzählungen der Aggada in der Sprache der Väter und unter kundiger Führung kennengelernt hat, hat Werte in sich aufgenommen, die ihm sein inneres Gleichgewicht für sein ganzes Leben schenken. Daß in dieser jüdischen Schule die deutsche Kultur und all das, was sie uns gegeben hat und fortdauernd gibt, ihren vollen Segen zu entfalten vermag, daß die Schönheit der deutschen Landschaft, Sprache und Dichtung, die Tiefe und Innigkeit der deutschen Bildkunst und Musik hier erschlossen werden kann, haben die bestehenden jüdischen Schulen gezeigt Allerdings wird hier der ganze Unterricht von dem Gesichtspunkt geleitet sein müssen, den die Mischna (Sanhedrin IV, 5) mit den Worten ausprägt: „Darum hat Gott alle Menschen von einem Menschen abstammen lassen, damit keiner sich überhebe und keiner sage, mein Vater war größer als der deine." Und der Gedanke der Erwählung Israels wird hier nicht nur seine Richtung erhalten durch das bekannte Wort des Propheten Arnos: „Euch habe ich erwählt von allen Völkern der Erde, darum ahnde ich an Euch alle eure Sünden", sondern auch von dem Worte Akibas in den Sprüchen der Väter: „Ein Liebling Gottes ist der Mensch, denn er ist im Bilde Gottes erschaffen worden... Ein Liebling Gottes ist Israel, denn ihm wurde ein gar herrlich Gefäß zuteil; in besonderer Liebe ward ihm kund, daß ihm ein gar herrlich Gefäß zuteil wurde, durch das die Welt go schaffen ist, denn so wird gesagt: eine guie Lehre habe ich euch gegeben: verlasset nie meine Lehre." Was lehrt uns das? Mit a 11 e in Na c h d r u c k ist der Seele des jüdischen Kindes einzuprägen, daß Ausgangs¬ und Mittelpunkt, ja die erste Voraussetzung für das Judentum und für den Gedanken der Auserwähltheit Israels der Gedanke von der Erwähltheit und der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen ist. Hier findet sich ein Weg, auf welchem der deutsche Humanismus und Idealismus eines Herder und Fichte und der unserer großen deutschen Klassiker seinen Zugang zu dem Geiste und zu dem Herzen des deutschen jüdischen Kindes zu finden vermag. Daß Feste und Feiertage, daß das ganzejüdische Gesetz in der jüdischen Schule Wirklichkeit und tiefstes Erlebnis werden kann und muß, braucht nicht betont zu werden. Und gerade hier gibt es genug Gelegenheit, um eine innere Berührung mit einem hohen Ziel des neuen Staates zu bekommen. Die eiserne Manneszucht, 196