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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 166

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die inneren Voraussetzungen für Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum
Date
1933-08-01
Page
166 (sequence 2)
Language
German
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Heinrich Stern begnügte, ein Aufpflügen und dann eine innerliche Festigung der Seele aber nicht zur Voraussetzung hatte. Insbesondere hat man sich über das Warum und Wozu des Judeseins am allerwenigsten Gedanken gemacht Man hat gelebt und genossen, ohne daran zu denken, daß die Tagesarbeit und der Tagesgenuß nicht alles ist, daß das äußerliche Streben ohne innere Zielrichtung nie eine wahre Befriedigung gewähren kann. Diese Unklarheit der Lebenseinstellung rächt sich jetzt furchtbar. Vielen war das wirtschaftliche Wohlbefinden alles. Wenn nun noch gar die Aussicht besteht, daß die Kinder nicht mehr den gewöhnlichen abgestempelten Bildungsweg, der in diese Fahrstraße wirtschaftlicher Wohlfahrt einmünden sollte, gehen können, so weiß man sich überhaupt nicht mehr zu helfen. In dem Suchen nach schlagwortartiger Betätigung hat man jetzt zu dem Wort „Umschichtung" gegriffen. Der aus seiner Bahn geworfene Rechtsanwalt oder Studienrat glaubt, wenn er einige Stunden am Tag bei einem Handwerker arbeitet, in etwa einem halben Jahr reif für ein neues Leben zu sein. Alle verantwortlichen Führer haben die Pflicht, darauf hinzuweisen, daß mit derartigen Hilfskonstruktionen ein neues Leben nicht aufgebaut werden kann. Diejenigen, die durch Zufall oder Verbindung oder sogar durch Tüchtigkeit sich einen neuen Lebensbezirk schaffen, werden, wenn sie ihn als ein Vorübergehendes auffassen, sich immer als „Deklassierte" vorkommen und somit zerbrochen bleiben. Nur wer sich darüber klar wird, daß hier eine Neuarbeit von Grund auf nötig ist, daß nicht für Wochen und Monate sondern für Generationen neuer Grund gelegt werden soll und muß, wird mit der „Umschichtung" und den damit verbundenen Zusammenbrüchen innerlich fertig werden. Wohin soll der Weg des deutschen Judentums führen? Der Schwerpunkt der Arbeit kann theoretisch eine zweifache Richtung haben. Viele — und nicht einmal die Unwichtigsten unter uns — haben innerhalb des letzten Vierteljahres mit dem früheren Leben so sehr abgeschlossen, daß sie das deutsche Judentum in Deutschland aufgeben und es außerhalb Deutschlands verpflanzen wollen. Sie wollen „heraus", innerlich und äußerlich. Sie wissen natürlich, daß dies nicht für alle, daß dies nicht so schnell möglich ist Man will deshalb den lebensfähigsten Teil, die jüdische Jugend Deutschlands, verpflanzen und die Älteren hier ihr Dasein fristen lassen, in der Hoffnung, daß die Jüngeren die Älteren physisch und psychisch nach sich ziehen werden. Das bedeutet ein deutsches Judentum „auf Abbruch" und bedeutet — auf lange Sicht gesehen — das Erlöschen des deutschen Judentums. Denn, wenn 166

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