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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
[Rezension] / Steckelmacher, Ernst
Date
1933-04-01
Page
80 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Anzeigen Michael Kardinal Faulhaber, Erzbischof von München: Zcitrule — Gottesrufe. Gesammelte Predigten 8° (XXVI u- Ä70S.) Freiburg im Breisgau 1932, Herder. Nachdem der Kardinal vor kurzem erst einen Band gesammelter Reden, Predigten, Hirtenbriefe unter dem Titel „Rufende Stimmen in der Welt der Gegenwart" veröf fentJichte, laß; er nun einen Predigtband erscheinen, der auch in der nichtkatholischen Well aufmerksame Beachtung verdient. Denn Faulhaber erörtert unbeschadet seiner weltanschaulichen Haltung in diesen Kundgebungen immer wieder Fragen und Probleme, die heute die Gläubigen in allen Bekenntnisgcmcinschaften zutiefst berühren. \W-nn er /.. B. in der ersten Rede, die zum Abdruck kommt, „Der Ruf der Zeit der Ruf Gottes" u. a. Themen erörtert, wie die Zeit ruft nach helfender Liebe, nach Abrüstung und Völkerfrieden, nach dem Burgfrieden im eigenen Lande, nach Seclsorge für die' Gebildeten, spricht er über die Konfessionen hinweg zu allen, die für d:e religiöse, sittliche, wirtschaftliche und politische Not der Gegenwart ein offenes Auge haben. Fast in allen Predigten bezieht sich der Kardinal auf die jüdische Bibel; auf den Dekalog macht er mit besonders eindringlichen Vi orten aufmerksam. „Vox temporis vox Dei", der Ruf der Zeit ist der Ruf Gottes, soll nicht bedeuten: Jede Zeit könne sich nach ihrem Zeitgeschmack neue Sittengeset/e, neue Sinaiiafela zurechtlegen. „Im Staatsleben der Völker wechseln die Verfassungen, lösen die Gesetze und Yeror-.lnungen einander ab. Das göllliche Sittengesetz aber ist über den Wechsel der Zeiten erhaben, überzeitlich, übervölkisch, den Sternen gleich, die dem Zugriff der Menschenhände, entzogen sind" (S.2). Mit sehr anschaulichen Worten weist Faulhaber, indem er i.Chron.2S, 9 anführt, auf die religiösethische Höhe hin, die im biblischen Judentum erklommen wurde. „Schon in a 11 - testamentlichen Bildern wird der Abschied sterbender Eltern von den Kindern in Farben gemalt, die bereits in das Licht der Ewigkeit getaucht sind" (S.357). Wie Gedanken zum Versöhnung£l3ge muten uns Faulhabers Bemerkungen (S. 453} an: -Die Versuchungen weilen uns einreden, es sei jede Verbindung Gottes mit uns zerschnitten, es stehe eine dicke Mauer 2wichen Gott und unserer Seele. Wir haben aber das Vertrauen auf Gottes Wort: „Die Berge mögen erschüttert werden, und die Hügel mögen wanken, mein Erbarmen wird nicht von dir weichen, und mein Treuhund wird nicht erschüttert werden, spricht der Herr, dein Erbarmer** (Jes. 54, 10). — Hervorgehoben sei auch, daß der Kardinal in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit ig3i, also vor kurzem erst, sich mit nicht mißzuverstehenden Worten gegen den Rassenhaß unserer Tage wendet. „Wo man dem Einen wahren Gott den Abschied gab, wird über kurz oder lang eine Vielheit von falschen Göllern auf den Thron erhoben und sogar die Rasse vergöttert werden" (S. 21). Steckelmacher. Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Mariin Buber. Schocken- \ erlag, B"rlin. Von der Bnber-(Ro=en/weig)schcn Bibelübersetzung sind Bd. 11 und 12 Jirmej a h u und Jecheskcl neu erschienen. Ks folgen ah Probe Jecheskels Bestimmung der Aufgabe des „Künders" (3, 17 ff.): „Mcnscheusohn, als Späher habe ich dich dem Haus Jisrael gegeben. Hörst ou Rede von meinem Mund, sollst du von mir sie warnen. Wann ich spreche zum Schuldigen: Sterben mußt du, sterben! und du warnst ihn nicht, redest nicht, um den Schuldigen von seinem Scbuldweg aluuwarnen, ihn am Leben zu halten: ein Schuldiger ist er, um seine Verfehlung wird er sterben, von deiner Hand aber will ich heimfordem rein Blut. Du aber, — wenn du einen Schuldigen gewarnt hast und er kehrt nicht um von seiner Schuld, von seinem Schuldweg: er, um seine Verfehlung wird er sterben, du aber, dein© Seele hast du gerettet." D. Inhalt des letzten Helles: Max Eschelbacher: Der deutsche Jude und der deutsche Staat. — Max Schindler: Der korporative Staat. — Gottfried Salomon: Der Totale Staat. — Gustav Radbruch: Fascistischos Strafrecht. — Franz Oppenheimer: Staat und Nationalismus. — Ernst Michel: Die politische Front des Liberalismus und der religiösen Mächte in der Volks- und Staatskrise. — Rita Hirschberg-Neumejer: Italienischer und deutscher Fascismus. — Max Dienemann: „Politische Ethik". — Alfred Hirschberg: Politische Ideologien oder Politik für Menschen?

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