Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 79 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen Bussen hat ihm nahegelegt, die Hemmnisse, die sich seiner Lehrtätigkeit entgegenstellten, durch den Obertritt zum Christentum aus dem Wege zu räumen. Er hatte dabei cusgesprochen, daß er diesen Vorschlag nicht im Hinblick auf materielle Wirkungen mache, sondern weil ihm in dem Bekenntnis zu Jesus der Sinn und die Sendung des jüdischen Volkes erscheine, und weil er meine, daß gerade der Judo noch mehr als der Germane Verständnis für die weltgeschichtliche Würdigung der Gestalt Jesu haben müsse. Bernays antwortet darauf unter Zurückweisung jeder Verknüpfung einer Oberzeugungsfrage mit Dingen des persönlichen Fortkommens voll Freimut und Festigkeit; seine Ausführungen gipfeln in der Bemerkung, daß nach seiner Überzeugung Jesus heute sich lieber von allen Kirchenbehörden auch körperlich kreuzigen lassen würde, ehe er zu einer der Konfessionen träte, die sich nach ihm nennen, obgleich sie zuwider seiner Vorschrift (Mark. 9, 5o) .weder Salz bei sich noch Friede untereinander haben, und daß er durch einen Übertritt ja auch das decken würJe, was in Jesu Namen — entgegen seinem Wort — getan und unterlassen wurde. Bunsens Bemerkung, daß das Beharren der Juden ein Sich-der-Weltgeschichte- Entgegenstemmen sei, begegnet er mit dem Ausdruck der Erkenntnis, daß die Weltgeschichte dem J-.;:en das Recht und die Pflicht zuweisen, als Juden zu bestehen. Dem Buche wären aufmerksame Leser zu wünschen; zu wünschen wäre auch ein weiterer Abdruck der vielen noch vorhandenen Briefe, insbesondere des Briefwechsels mit der Königin von Rumänien. M.D. Spinoza um! Mendelssohn. Reden und Aufsitze zu ihren Gedenktagen von David Baumgardt. Philo-Verlag, Berlin ig3a. Dank des Zettelkasten- und Kartothek- RcitersYstems ist dafür gesorgt, daß zu solchen Geburts- oder Sterbetagen, die eine runde Kalb- oder Ganzjahrhundertziffer ergeben, die Erinnerung an längst vergangene Große dem breiten Publikum wieder einmal eingeschärft wird. So war es an Mendelssohns 200. Geburtstag im Jahre 1929 nicht anders wie an Spinozas 3oo. Geburtstag 1927 und im November 1933 an dessen 25o. Todestag. Gelegentlich dieser Gedenktage sind die vier, in vorliegender Broschüre gesammelten Reden und Aufsätze entstanden. Es ist ein gutes Zeichen für ihren Wert, daß man lie selbst ohne kalendarische Veranlassung gern» vornimmt und mit geistiger Anregung liest. Wer von dem Wörtchen „und" im Titel irregeführt, als Inhalt der Broschüre einen Vergleich zwischen den beiden jüdischen Philosophen erwartet haben sollte, der mag bei dieser Gelegenheit an den Vortrag Yon Prof. Julius Guttmann „Mendelssohns Jerusalem und Spinozas Theologisch-Politischer Traktat" erinnert sein. Der Vortrag findet sich abgedruckt im 48. Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin ig3r. Auch Guttmanns an verhältnismäßig abgelegener Stelle veröffentlichte Rede ist unabhängig von einem äußerlichen Datum des nachdenklichen Lesens wert. Hanns Reißner. Adolf Wendel, Dr. theol.: Das freie Laiengobet im vorexi 1 i schen Israel. ig3i. Eduard Pfeiffer Verlag. Leipzig. 288 S. Eine fachwissenschaftliche Forschung aus dem Gebiet der allteslamentlichen Religionsgeschichte. Sie zeugt von einer umfassenden Bclrsenhcit, hingebender Vertiefung in den Stoff und von dem Willen, jeder Beobachtung gründlich bis in die letzte Einzelheit nachzugehen. Einwendung müßte man gegen den Titel machen; denn man behält seine Bedenken, ob es zulässig ist, die bei Gelegenheit eines Gelübdes, einer Klage, eines Dankes, eines Orakelsuchcns usw. gesprochenen Worte, auch wenn sie an Gott gerichtet sind, als „Gebet" zu bezeichnen. Der Verfasser hat sein Werk so angelegt, daß er bei jeder einzelnen Form, die er schildert, der spezifischen Frömmigkeit nachgeht, die hier im alten Israel sich kundtut. Nicht allen Feststellungen, die er hier trifft, wird man zustimmen; manche bewegen sich in Urteilen, die noch einer oft widerlegten Art der Betrachtung altisraelilischer Frömmigkeit angehören; freudig zustimmen aber muß man der Feststellung, wie sehr die altisraelitische Frömmigkeit auf dem unmittelbaren Verkehr der Gläubigen mit Gott, auch ohne Priester, beruht. — Besonders beachtenswert, daß der Verfasser Pfarrer in einem abgelegenen Örtchen Oberhessens ist und die gründliche Arbeit leistet, obgleich er fern von den Zentren der Gelehrsamkeit lebt. M.D. 79