Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Deutsch-jüdische Bauernsiedlung
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 49 (sequence 1)
- Language
- German
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Deutsdi-jüdiscLe Bauemsiedlung — Eine Erwiderung Von Franz Oppenheimer Als cip-eni der Förderer der „Umschichtung" der deutschen Juden sei mir zu dem Aufsatz von Ernst Holzer ein Wort verstauet: Mir will scheinen, daß er zunächst die Absichten der YerL.ler der von ihm bekämpften Richtung recht gründlich mißversteht. Vielleicht gibt es einige Fanatiker, die davon faseln, den größten Teil oder gar alle deutschen Juden auf die Scholle zu bringen: mir sind sie jedenfalls noch nicht vorgekommen. Die Absicht meiner Freunde und meine eigene gehen nur dahin, einige unserer Glaubens- und Schicksalsgenossen, die als dazu geeignet erprobt sind, zur Ansiedlung zu bringen, und zwar, was hier von ganz besonderer Bedeutung ist, vorwiegend nicht als Bauern, sondern als Gärtner oder als landwirtschaftliche Spezialisten, z. B. Geflügelzüchter usw. Ebensosehr, wie er die Absicht der jüdischen Siedlung überschätzt, unterschätzt er offenbar die Möglichkeiten der Siedlung überhaupt. Schon für die Bauernstellen ist der von ihm angenommene Durchschnitt von 12 Hektar meiner Überzeugung nach viel zu groß. Diese Fläche stellt selbst unter ungünstigen Umständen, d. h. bei geringem Boden und schlechter Marktlage, etwa das Maximum dessen dar, was im familienhaften Betriebe, d. h. ohne ständige Hilfsarbeiter, erfolgreich bewirtschaftet werden kann: und die ganze Siedlungsbewegung hat ja als eines ihrer Hauptziele die Beseitigung des Herren-Gesindeverhältnisses auf dem Lande! Durchschnittlich kann man mit wesentlich geringerer Flächc-ngröße rechnen, auch im deutschen Osten. Wenn der Durchschnitt der selbständigen Bauernstellen in Deutschland, West und Ost zusammengerechnet, noch nicht einmal ganz 5 Hektar erreicht, so wird man im Osten allein mit 7 bis 8 Hektar auslangen können, selbst wenn man die Fortdauer der heuligen Absatzverhältnisse unterstellt. Damit allein aber würde die Zahl der möglichen Bauernsiedlungen sich um mehr als ein volles Drittel höher stellen als Holzer angenommen hat. Nun ist mir aus meiner eigenen langjährigen Tätigkeit als verantwortlicher Mitleiter einer großen gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft sehr wohl bekannt, daß der heutige Bauer gar nicht genug Land haben kann. Die von uns angesetzten Siedler, denen wir 3o—£c Morgen (zu je 1/4 ha) rm!gegeben haben, 4 49