Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 3 (August 1932)
- Article
- Bürgerlichkeit , Religion und junge Generation
- Date
- 1932-08-01
- Page
- 208 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Herman M. Sänger: Bürgerlichkeit, Religion und junge Generation Ziel, durch eine geistige Fundierung und Führung mit Hilfe des Judentums ihnen eine neue, durch jüdische Bewußtheit bestimmte Lebensform zu schaffen, die aus der neuartigen Gemeinschaft organisch erwächst. Daß sich von hier aus auch für die Weiterentwicklung religiöser Formen neue Möglichkeiten eröffnen, ist eine natürliche Folge. Jedenfalls kann man nur durch solche Mittel verhindern, daß die jungen Menschen nach der „Weltanschauung von der Stange" greifen müssen, die die rote Assimilation für sie bereit hält. Zu allererst aber sollen sie durch die jüdische Gemeinschaft überhaupt wieder zu geistigem Leben gelangen können. Denn das Fehlen geistigen Lebens hat ja die ganze Ratlosigkeit des Augenblicks verschuldet, seine Wiedergeburt wird Dasein auf neuer Grundlage ermöglichen, wie Wassermann sagt: „Geistig leben heißt, den Weg zu seinem eignen Mittelpunkt finden, um von dort aus aller Bewegung Herr zu werden." Es handelt sich nicht nur darum, zu zeigen, daß es Wege gibt, um die junge Generation dem Judentum zu gewinnen und zu erhalten, — schon viele wurden gewiesen, — sondern darum, es jedem klar zu machen, daß hier eine Lebensfrage vor allem des deutschen Judentums entschieden werden muß. Welcher Weg gegangen wird, ist nicht so entscheidend, wie die Notwendigkeit, überhaupt einen zu gehen. Die weitere Entwicklung wird noch mehr praktische Möglichkeiten finden, wenn alle, die bisher für solche Arbeit an der jungen Generation eintreten, von der ganzen jüdischen Gemeinschaft, aus klar erkannte! Verpflichtung und Notwendigkeit, unterstützt werden. Es geht um eine „Jugend der Suchenden". Die Religion, das Judentum kann der große Func1 werden, wenn es versteht, die Forderung des Tages aus dem Stimmengewirr der Zeit herauszuhören. Herders Wort gilt auch heute: „Die Religion soll nichts, als Zwecke durch Menschen für Menschen bewirken". 208