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Der Morgen · 1932-04-01 · Heft 1 (April 1932) · p. 20

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 1 (April 1932)
Article
Wider dic Ächtung des Liberalismus
Date
1932-04-01
Page
20 (sequence 4)
Language
German
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Heinrich Frick letzten halben Jahrtausends Gemeinbesitz geworden sind und jetzt nur das Mißverständnis und der Mißbrauch, also die zersetzende Wirkung derselben abgewehrt werden muß? Ist der Ruf nach Ordnung, Bindung, Bestätigung, Autorität — wir setzen hinzu: nach sichtbarer Kirche, integralem Nationalstaat, volkspädagogischer Zensur, nach Einschränkung, wenn nicht Beseitigung der individuellen Freiheit im Forschen, Lehren, Schreiben, Reden, nach Einschränkung der Berufswahl, der Freizügigkeit, des religiösen, ethischen und pädagogischen Bekenntnisses, — ist dieser Ruf richtig verstanden, wenn man ihn als den spontanen Schrei bedrohten Lebens nach Sicherung des Lebensgrundes versteht? Lebt in diesem heute überall spürbaren Drang wirklich als treibende Kraft der instinktive Sinn für das Geheimnis alles Lebens? Oder sind es nicht häufig ganz andere, spezifisch unterwertige, Leben zerstörende und das Gewissen zersetzende Mächte? Mit einem Wort: es fragt sich, wo die begreifliche reaktive Bewegung anfängt zur gefährlichen „Reaktion" zu werden. Ich kann nicht verhehlen, daß ich beiden erwähnten Schriften gegenüber gleicherweise die Frage habe, ob da nicht reaktive Strömungen, die man begreifen und in gewissen Grenzen auch fördern muß, allzu einheitlich gesehen und religiös-theologisch idealisiert worden sind? Damit komme ich zur Sachfrage, die hier zur Erörterung steht. Die Sachfrage betrifft das Verhältnis des Judentums zum „Liberalismus". Es kann dem Judentum nicht einerlei sein, was an der angedeuteten Gesprächsfront vor sich geht. Denn vom Ausgang dieser Diskussionen hängt das Schicksal des Judentums in Deutschland ab, das äußere wie das innere. Sein äußeres Schicksal wird dadurch beeinflußt: denn aus jener unsichtbaren, geistigen Sphäre steigen die Antriebe auf, von denen die politische Oberfläche in Bewegung gesetzt wird. Sein inneres Schicksal hängt davon ab: denn nur ein solches Judentum ist den neuen Spannungen gewachsen, das selber in der geistigen Region gewichtig mitredet, sofern es einen wesentlichen Beitrag zur Losung der Probleme bieten kann. Würde ich als Außenstehender gefragt, wie sich das Judentum gegen die antisemitische Welle schützen könne, so müßte ich vor allem antworten: dadurch, daß das Judentum in tiefere geistige Bezirke eindringt. Es hilft verhältnismäßig wenig, wenn man den Antisemitismus in der Sphäre von Oberflächlichkeit und Rohheit bekämpfen will, in der er sich leider oft bewegt. Man kann dieser Sphäre wesentlich beikommen nur dadurch, daß man tiefer einsetzt: dort nämlich, von wo aus jene Oberflächenbewegung ihre geistige Nahrung bezieht. Es gibt eine tiefere Schicht 20

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