Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1932-02-01 · Heft 6 (Februar 1932) · p. 550

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 6 (Februar 1932)
Article
[Rezension]
Date
1932-02-01
Page
550 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2895450-2895499-2895506-2902036--05604-2902143
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Anzeigen einem gewordenen Zustand seiner kulturellen Beschaffenheit, lehnt aber die scheue Verleugnung seiner jüdischen Art entschieden ab. Ihm bereitete es niemals Schwierigkeit, sein jüdisches Stammesbewußtsein mit deutschem Volks- und Kulturbewußtsein zu verbinden. Sind Lebenserinnerungen auch Ichbekenntnisse, die mit ihren Wurzeln schon in der Vergangenheit liegen: stärker als die Wehmut, die sich aus der Vergangenheit heran wälzt, ist der Mut, der aus dem Werden, d. h. aus dem Goschaffthaben uns zuwächst. Das Werden schafft Gewordenes und dieses weist in die Zukunft; müde macht keine deT drei Erinnerungen. „Wohl dem, der nicht müde wird", sagt Goethe. Anzeigen Irma Goitein: Probleme der Gesellschaft und des Staates bei Moses Heß. Nr.5 der Beihefte zum Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Leipzig io31. Die vorliegende Schrift, die auf gewissenhaftestem Quellenstudium beruht — das Buch bringt in seiner zweiten Hälfte reichliches, bisher unveröffentlichtes Material — bildet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Geschichte des Sozialismus und gibt nicht ein nur als Historie zu wertendes Bild des Mannes, der ein idealistischer Vorkämpfer des Sozialismus und ein, mindestens theoretischer, Vv egbereiter des Zionismus gewesen ist. Irma Goiteins Arbeit fundiert das sozialistische Werk des Moses Heß und seine Entwicklung von der gemäßigten Phase eines idealistisch—utopistischen Sozialismus (1837—i84i) zur Radikalisierung (iS.'u—1846) in einläßlicher Betrachtung der jeweiligen philosophischen Einflüsse; die ersten Schriften — die „Heilige Geschichte der Menschheit" und die „Europäische Triarchie" — leben in der junghegelianischen Atmosphäre der „Hallischen Jahrbücher" und sind nicht radikaler, als diese: auch die zweite Schaffensperiode trägt noch den Charakter der deutschen idealistischen Philosophie: „Es ist offenbar, daß hier die eigentlichen Umwälzungstendenzen nicht in den ökonomischen Verhältnissen selbst, in der «materiellen Lebensproduktion», sondern im Sinne der klassischen deutschen Philosophie . . . gesucht werden." Und schließlich zeigt es sich, daß die Hinwendung zu Marx den philosophisch-idealistischen Grundcharakter im Denken des „Kommunistenrabbi" keineswegs zu ändern vermochte; die zeitweilige Annahme der Marxschen Klassentheorie wird am Ende von der Idee der „Nationalcharaktere" verdrängt. Irma Goitein sagt zu Heß' scheinbarem Übergang zum „wissenschaftlichen Sozialismus" marxistischer Prägung: „Die Marxsche Geschichtstheorie diente Heß nur dazu, ihm seine eigene mystisch-vage Geschichts- .philosophie mit anschaulichem Material zu erfüllen. Sein spekulativer Standpunkt ist durch den «geschichtsmaterialistischen» nicht aufgelöst worden, sondern unter der Hülle der Theorie von der Entwicklung der Gesellschaft durch Entwicklung der Klassen und Klassenkämpfe herrschend geblieben." Am Schicksal der Revolution, auf die Heß nicht warten wollte — für ihn, „den Sanguiniker", konnte die Revolution nicht warten —, entschied sich seine Haltung zu Marx: er verließ dessen mit allerdings naturgesetzlicher Gewißheit abwartende Stellung. Um dessen twillen, was „bald, in unseren Tagen" kommen soll, aus 550

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.