Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1932-02-01 · Heft 6 (Februar 1932) · p. 545

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 6 (Februar 1932)
Article
Von "Ur" zur Gegenwart [Rezension]
Date
1932-02-01
Page
545 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2895450-2895499-2895506-2902034--05597-2902138
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von „Ur" zur Gegenwart wirklichen Friedenswillen sich gründende Völkerordnung geboren ist. Inmitten der europäischen Parlamentskrise berührt es seltsam zu erfahren, wie man in diesen zu neuem Eigenleben erwachenden Ländern im Parlamentarismus den Prüfstein der wirklichen Souveränität erblickt. Des Verfassers Überzeugung tritt deutlich zutage, sie wird sich auch jedem gerecht Denkenden aufdrängen, daß nämlich trotz;Jler scheinbaren Erfolge die Weltuhr des Imperialismus geschlagen hat, daß auch die stärkste okkupierende Macht gegenüber dem Eigenwillen und dem Selbstgefühl der Völker und Länder machtlos wird; die Methoden imperialistischer Herrschaft sind abgebraucht, die Hoffnung auf die zugunsten der Okkupationsmächte sich auswirkenden alten Rivalitäten der Gruppen und Bekenntnisse sind trügerisch. Kritisch wäre vor allem zu bemerken: Ist es richtig, Ägypten als Teil der panarabischen Bewegung zu werten? Sind nicht die Ägypter, trotz ihrer arabischen Sprache und Kultur, doch in ihrem Selbstbewußtsein ein anderes als die sonstigen arabischen Völker? Und ferner: Ist es angängig, bei der Schilderung der Kämpfe um den Irak und Syrien die Bedeutung der Erdölvorkommen zu bagatellisieren? Sind sie nicht, wenn schon nicht das Wichtigste, doch ein so Wichtiges, daß sie eine ausschlaggebende Rolle spielen? Hier vermag man mit dem Autor nicht mitzugehen. Für den Wert des Buches in seiner Hauptsache bedeuten diese Ausstellungen kaum etwas. — Aus dem Leben der Gegenwart, das uns in der soeben erwähnten Schrift an einer seiner empfindlichsten Brandungsstellen umflutet, versetzt das Buch, mit dem diese Übersicht beschlossen sei, uns zurück in älteste Zeit abendländischer Geschichte und der Berührung des Abendlandes mit dem Orient. In der groß angelegten Propyläen-Weltgeschichte ist vor kurzem der Band erschienen, der die Mächte der Antike behandelt: „Hellas und Rom'".1) Ein kurzes Kapitel in ihm (S. 477—4S7) ist dem Thema „Judenlum und Christentum" gewidmet. Es hätte so nicht heißen dürfen, denn von einer ausführlichen Darstellung des Judentums zur Zeit der Entstehung des Christentums ist nicht die Rede, und von ihm wäre wohl umfassender zu reden gewesen, wenn die Mächte der Antike zu schildern sind, aus denen heutige Kultur erwuchs. Der Autor, Professor Freiherr von Soden, geht in seiner Schilderung von der Feststellung aus, daß ein geistiger Zusammenhang das werdende Christentum mit dem Judentum verbindet, und daß die in einer noch gar nicht fernen Epoche unternommenen Versuche, diesen Zusammenhang zu leugnen, abgelehnt werden müssen. Hier ist von Sodens Ausführungen volle Anerkennung zu zollen. Aber es mischen sich doch immer wieder Wendungen und Behauptungen ein, die. noch jener Epoche angehören, in der man um jeden Preis in dem werdenden Christentum ein grundsätzlich Anderes sich zu sehen bemühte. Solche Bemerkungen sind richtigzustellen. Es stimmt nicht, daß „in allen Wandlungen der Beurteilung des Proselytentums die Wertung desselben als Judentum zweiter Klasse festgehalten" sei. Einer ganz vereinzelten Bemerkung aus später Zeit, der nie Geltung zuerkannt wurde und *) Ullsteiiwerlag, Berlin 1931. 63o S. Mk. 34 — 35 545

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.