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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 379

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
[Rezension]
Date
1931-10-01
Page
379 (sequence 1)
Language
German
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Anzeigen Von Franz Rosenzweigs „Stern der Erlösung" ist die zweite Auflage erschienen!) — und zwar nicht mehr in einem Band zusammengefaßt, sondern in der ursprünglich geplanten Form: eingeteilt in drei Bände. Gibt schon diese der strengen Einteilung des Aufbaus entsprechende Gliederung dem überreichen und komplizierten Werk größere Übersichtlichkeit, so bedeuten erst recht die noch von Rosenzweig selbst verfaßten Randtitel und das von ihm geplante dreiteilige Schlußverzeichnis für den Leser eine Erläuterung und Erleichterung und darüber hinaus reiche Belehrung. Das Schlußverzeichnis, das einen Nachweis der jüdischen Quellen, ein Stellenregister und ein Personenverzeichnis enthält, in das gemäß dem Plan Rosenzweigs auch „die ungenannten und bloß angedeuteten" Namen und Urkunden aufgenommen sind, ist in. seinem Auftrag von N. Glatzer mit vorbildlicher Hingabe und wissenschaftlicher Gründlichkeit gearbeitet. Über das Werk selbst wurde hier im Dezember 1929 (Jahrgang V, 6. Heft) eingehend berichtet, und es soll heute nur noch einmal der Versuch gemacht werden, in wenigen Strichen seinen Gehalt und seine Bedeutung zu umreißen. Es ist ein Buch, das durchaus unserer Zeit angehört und sie doch durchaus überschreitet. Es überschreitet sie dadurch, daß es auf dem dunklen Grunde einer glaubenslosen, der Selbstzerstörung preisgebenden Welt die Lichtbahn des Erlösungssternes mit unbeirrter Hand entwirft und ihre Wirklichkeit verkündet; es gehört unserer Zeit an dadurch, daß es diese Lichtbahn zeichnet mit den Mitteln des heutigen Denkens, und daß es sich keine von den Schwierigkeiten und Verwicklungen dieses Denkens erspart. Gerade dies ist sein Sinn: eine durchdringende Auseinandersetzung der ewigen Urwahrheit der Offenbarung mit dem europäisch-deutschen Denken bis zu unserer Zeit zu leisten. Und dadurch geschieht das Wunderbare: daß in diesem Buch die Ewigkeit der jüdischen Wahrheit, um die es ihm vom ersten bis zum letzten Wort geht, für diesen Augenblick gerade dadurch gerettet wird, daß die in unserer Zeit sich vollziehende Umkehrung der gesamten philosophischen Fragestellung sich hier des Wahrheitsproblems bemächtigt. Und zwar geschieht dies bei Rosenzweig in doppeltem Sinne: auf der einen Seite hat er als einer der ersten die reine Geistposition des idealistischen Denkens ad absurdum geführt, indem er dem in sich selbst kreisenden abstrakten theoretischen Denken wieder die Frage des ganzen lebendigen Menschen nach seiner eigensten Wahrheit: nach seiner Erlösbarkeit und Erlösung gegenübergestellt hat; auf der anderen Seite hat er aber auch die relativistische Position, die gerade mit der ganz persönlichen Fragestellung der einzelnen Philosophen zum endgültigen Schicksal des modernen Denkens geworden zu sein schien, von Grund auf überwunden, indem er den fragenden Menschen aus dem Abgrund jener Einsamkeit, in der noch bei Kierkegaard, bei Nietzsche hing, emporgeholt, indem er ihn wieder hineingestellt hat in die dem Geist versunkene und allem bloßen Geist unerreichbare volle Wirklichkeit seines Daseins: zwischen Gott und Welt. Denn damit handelt es sich in der einzelnen persönlichen Fragestellung nicht mehr um Relativierung der gedanklichen Wahrheit, sondern um das Ergreifen des eigenen Anteils an der lebendigen Wahrheit: des Anteils an der einen Wahrheit, die die aller ist. Die drei Urmächte Gott, Mensch und Welt und der Weg zwischen ihnen sind also als i) J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 1980. Geb. 16 SM. 379

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