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Der Morgen · 1931-10-01 · Heft 4 (Oktober 1931) · p. 323

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 4 (Oktober 1931)
Article
Der Weltfriedenskongreß der Religionen
Date
1931-10-01
Page
323 (sequence 3)
Language
German
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Der Weltfriedenskongreß der Religionen teilt: eine Kolonne marschierte auf die sozialen, wirtschaftlichen Friedensfragen zu und damit auf die Stockholmer Konferenz unter Söderbloms Vorsitz, die andere, vielfach durch Personalunion verbunden, wollte unter der Parole „Faith and Order" die Möglichkeiten einer dogmatischen und verfassungsrechtlichen Einheit studieren und kam in Lausanne zusammen, wonach sie auch stets genannt wird. Jenes christliche Einheitsbewußtsein war auch in Wirklichkeit sehr schwach. Die römischen Katholiken beteiligten sich gar nicht. Und die sicherlich sehr gutgemeinten Versuche, die orientalischen Christen heranzuziehen, leiden stark unter der inneren seelischen Entfernung — mehr als unter der äußeren, — in der sich die orientalischen Christen seit tausend Jahren von der abendländischen Kultur und Geisteshaltung befinden. Wenn irgendwo, so scheint sich hier zu bewahrheiten, daß das Aussprechen und selbst das Glauben der gleichen Formeln noch nicht die wahre aktive Gemeinschaft hervorbringt, die heute gefordert ist. Bei der Sache, die nun hier auf dem Spiele steht und für die die Linie Genf—Washington auch symbolisch sehr bedeutsam ist, handelt es sich um ein anderes. Entschlossener Verzicht auf Glaubenseinheit — trotzdem Männer wie Professor Otto mitarbeiten, die bei aller Anerkennung der geschichtlichen und übergeschichtlichen Unterschiede der Religionen doch immer wieder nach der letzten tiefsten Einheit des Gottesbewußtseins suchen. Weiter: entschlossener Verzicht auf den Versuch, alle konkreten Probleme der Gegenwart aufs Programm zu setzen, wie das Stockholm doch tat; dafür die bewußte Eingrenzung auf ein Problem, die Friedensfrage, die natürlich, je nach der Perspektive, auch zu der zentralen Frage werden kann und immer wieder werden wird, von der aus „gleichgebahnte Wege nach allen Seiten" unserer konkreten Gegenwart laufen. Diese Bescheidung hat bereits ihre Vorteile gezeitigt. Die römischen Katholiken können sich beteiligen; sie haben sich bereits seit Genf maßgebend beteiligt; freilich nur durch einzelne Vertreter, diese aber haben Verbindung zum Mittelpunkt der katholischen Dinge. io,3i war die Zahl der Katholiken in Genf bereits beträchtlich. Darüber hinaus können dogmatische Bedenken grundsätzlich nirgendwo auftauchen und sind auch noch nicht aufgetaucht. Man will ja nur die Kräfte der Religionen zu einer praktischen Arbeit, der Förderung des Weltfriedens, zusammenschließen lassen, ebenso, um ein ähnliches Beispiel zu geben, wie die französischen Katholiken und 323 21

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