Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 7 (1931-1932)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1931)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-06-01
- Page
- 207 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2895450-2895499-2895502-2901499--05162-2901624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Anzeigen von der Vogelweide, den Staatsdichter; über Jean Paul, Brentano, Heine; jeder endgültig und einmalig entscheidend über das Ur-teü dieser Geister, — über Gundolf, den Künder der Größe, — über Fallmerayer, den fast unbekannten „Fragmentisten", — über Lazarus Geiger, den nur wenig bekannten Sprachforscher, — je eine Studie über Moliere, Rousseau, De Cosler, — eine „Prätendentenschicksal" überschriebene weltgeschichtliche Betrachtung über den Sohn Ludwigs XVI., — Feststellungen über das „österreichische Geheimnis", das Münchner Wesen, die Darmstadter Physiognomie, — schließlich eine autobiographische Mitteilung „Ibsen-Jugend (Schülererinnerungen)". Die zweite Gruppe enthält Aussage und Äußerung zu sogenannten freien Themen, das will sagen: zu den nicht namentragenden Verdichtungen der schaffenden Geistkräfle. Da stehen Aufsätze über „Geist und Gegenwart", „Die neue Stoa", „Lebensluft", „Spielraum", „Überlieferung", unter andern, nicht unwichtigem auch drei außerordentliche Studien zum Wesen der deutschen Sprache. Welche Fülle, welch ein Reichtum! Und alles gefaßt, geschaut, seelenhaft und leidenschaftlich vorgetragen, aus einer Haltung des Wissenden, vor der sich Geheimstes und Allgemeinverständliches durchaus decken! Eine Tür geht auf, und Schau ist geschenkt; eine Hand wird gehoben, und verschwiegenste Bezüge sind aufgedeckt, unlesbare Spuren sind gedeutet, einfache Dinge, derer man am wenigsten gewahr ist, treten klar zu Tag. Hans S c h i e b e lh u t h. Jahrbuch der Charakterologie, herausgeg. von Emil U t i t z. Band VI. Berlin 1929. Pan-Verlag Kurt Metzner, 4i9 S-^ Das Utitz'sche Jahrbuch der Charakterologie vereinigt auch in dem vorliegenden Band eine Reihe wertvoller Aufsätze über charakterologische Probleme. Paul Hof mann untersucht die Probleme des Verstehens und seine Allgemeingülligkeit. William Stern-Hamburg erörtert Fragen der Testpsychologie vom Standpunkt des Personalismus aus; Henning berichtet über sehr interessante Versuche einer experimentellen Charakterprüfung. Der Marburger Psychiater Kretschmer gibt eine Darstellung der französischen Konstitutions- und Temperamentenlehre; mit graphologischen Fragen beschäftigen sich zwei Arbeiten von Friedemann und von Saudek. Heinz Hartmann schrieb über psychoanalytische Charakterkunde, Bergmann nimmt zu einigen Fragen der Psychoanalyse kritisch Stellung. Einen Essai über Stendhal und eine Untersuchung der Struktur des Humors bei Keller haben Heilbrunn bzw. Esselbrügge gegeben. Endlich findet sich noch ein Aufsatz von Max Löwy über motorische Psychologie. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingegangen werden, es sei nur bemerkt, daß auch der vorliegende Band außerordentlich wertvolle Untersuchungen bringt. Erich Stern. Kurt Sabatzky: „Der Jude in der dramatischen Gestaltung". (Verlag der „Königsberger Hartung'schen Zeitung".) Eine überaus fleißige Studie, in der so zahlreiches Material zusammengetragen ist, daß auch ein ziemlich gründlicher Kenner der Materie Neues finden wird, und daß für die orientierende Übersicht nahezu Vollständigkeit erreicht sein wird. Freilich, wenn der Jude als biblische Gestalt, die Figur des Alten Testaments, mit zum Thema gehörte, so hätte ich eine große Menge von Znsätzen zu machen. Aber es ist wohl richtig, daß das biblische Motiv nicht unbedingt, nicht in jedem Falle auch Darstellung eigentlich jüdischen Wesens auf der Bühne bedeutet. Jedenfalls können wir mit Sabatzky den großen Zug der jüdischen Gestalten entlanggehen: vom ersten Auftauchen der Juden in den Mysterienspielen und Moralitäten bis zu den Schwänken von Hans Sachs und Ayrer; dann über Marlow zu Shakespeare und über die Aufklärungsdramatik (Cumberland) zu Lessing. Ein heut schon vergessenes judenfeindliches Stück von Sessa wird erwähnt, und dann geht es über Hebbel und Grillparzer zu Gutzkow und Gustav Freitag in die Gegenwart. Gerhart Hauptmann (bei dem aber die sehr interessante Figur des Dr. Boxer aus dem „Roten Hahn" vergessen ist) und Bernhard Shaw sind die wichtigsten Vertreter. Aber auch Schnitzler und Sudermann und viele Kleinere werden verzeichnet, und von der jungen Generation werden Arnold Zweig, Werfel, Dietzenschmidt, Walter Mehring, Alfred Neumann und noch eine ganze Menge andere genannt. Es war wohl nicht Sabatzkys Absicht, die geistigen Entwicklungen aufzuzeigen, als deren Ausdruck die Behandlung dieser jüdischen 207