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Der Morgen · 1931-06-01 · Heft 2 (Juni 1931) · p. 206

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Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 2 (Juni 1931)
Article
[Rezension]
Date
1931-06-01
Page
206 (sequence 2)
Language
German
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Anzeigen die Vorkämpferin der deutschen Frauenbewegung Henriette Goldschmidt und die große Philanthropin Alexandra Eitingon genannt, ferner die Rabbiner Jellinek, Goldschmidt und Porges. Wertvolle Bilder der Synagoge, der Friedhöfe und der sozialen Anstalten der Gemeinde und einige Bilder von Thoravorhängen und Kultgeräten beleben und bereichern die Festschrift, die nicht den Anspruch erhebt, die Geschichte der Juden in Leipzig zu bieten, aber ein wertvoller Baustein hierfür ist. Siegbert Neufeld. S. Bialoblocki: Die Beziehungen desJudentums zu Proselyten und Proselytentum, Vortrag, gehalten bei dem wissenschaftlichen Kursus der Rabbiner der süddeutschen Landesverbände in Mainz am 17. Dezember 1929. Berlin 1980 in Nobels Kulturbibliothek, Nr. 1. Bialoblocki zeigt sehr anschaulich, wie Ort und Zeit die Stellungnahme des Judentums zum Proselyten beeinflußt haben. Die Juden der Diaspora „sahen sich genötigt, ihre Lehre vor unberechtigten Anwürfen zu schützen. Nahmen aber die Juden in diesem Kampfe auch eine Abwehrstellung ein, so erforderte doch ihre Selbstverteidigung eine propagandistische Tätigkeit." Bialoblocki erwähnt in diesem Zusammenhang die Propaganda der alexandrinischen Juden- Das palästinensische Judentum verfuhr in der Zeit der hasmonäischen Siege bei der Aufnahme von Proselyten nicht streng. Man sah sich gezwungen, um sich nach außen zu sichern, „die Nachbarvölker aufzusaugen und sie im Judentum aufgehen zu lassen". Mit dem Augenblick, da der staatliche Zerfall einsetzte, ändern sich die Anschauungen über das Proselytentum. „Der Machtaufstieg des Herodes brachte dem Volke den historischen Fehler der Zwangsbekehrung zum Bewußtsein ... Zwar sieht man die Aufnahme von Proselyten gern . . . Voraussetzung für die Aufnahme ist jedoch, daß man sie aus innerem Antrieb begehrt." Bialoblocki erörtert ausführlich, welche Aufnahmebedingungen vom Proselyten erfüllt werden mußten und wie sich die religionsgesetzliche Norm im Laufe der Zeit gestaltet hat. Mit der Drucklegung seines Vortrages hat der Autor die in Betracht kommende Literatur außerordentlich bereichert. Emst Steckelmacher. Karl Wolfskehl: Bild und Gesetz. Deutsch - Schweizerische VerlagsanBtalt, Berlin und Zürich. ig3o. 232 5. Geb. M8.—. Es gibt in den Briefen und Tagebüchern des im Krieg gefallenen Münchener Malers Franz Marc eine Stelle, die ungefähr (ich zitiere aus dem Gedächtnis) lautet: „Bei Wolfskehl echte Liebe". Das wäre in vier Worten die Eigentlichkeit Karl Wolfskehls, dieses stets erregten und erregenden, bewegten und erschütternden, ewig hingerissenen und hinreißenden Mannes, der seit Jahrzehnten im Ruhm, in der Liebe, im Bewußtsein des geheimen Deutschland lebt. Seher, Sager, Wisser, Kenner, Ahner, Sohn der tiefsten Einsicht, Teilhaber am Geheimnis des Wandels und Werdens, Verschwender von Schätzen, die er naturhaft lehrend, wo er geht und steht, ein weiser, von Welt umwitterter Geist, ein unerhörtes, einziges Menschenwunder, ausschüttet ... so und nicht anders erscheint seinen Zeitgenossen dieser lebendigste Mensch. Auch wenn die Tatsache seines orphisch tönenden Gedichts sich nur Wenigen erschloß, die „Unheimlichkeit" seiner Person trifft jeden, der ihm begegnet. Wolfskehls erstes Prosabuch „Bild und Gesetz" bezeugt diese Persönlichkeit in jedem Wort. Hier spricht (ich meine das wörtlich, denn sein Stil ist nicht „Schreibe", sondern Sprechsprache man spürt die lautbare Führung in jedem Satz, man hört die Schwingung, den Tonfall beim Lesen) ein Dichter etwas Gelebtes lebendig aus; hier offenbart ein Geist, der die Schau der Mitte hat, die ihm Antlitz gewordene Erscheinung, die in ihm fließend und nennbar gewordene Kunde von den Wegen und dem Wesen der waltenden Weltkräfte und Lebensmächte. „Bild und Gesetz" ist keine zufällige Sammlung oder nach privatem Belieben geordnete Zusammenstellung von Essays. Diese zweimal siebzehn Aufsätze, deren erste Reihe sich unter dem Titel „Bild", deren zweite sich unter dem Titel „Gesetz" einrückt, machen am Gegenstand der Darstellung die in der „Menschwerdung" überschriebenen Leitfabel gedichteten Mysterien Gestalt und Zusammenhang sinnfällig. Der Gegenstand der Darstellung, das objektive Material, ist hier äußerst wichtig. Die erste Gruppe beginnt mit zwei Darstellungen Stefan Georges, dessen langjähriger Freund Wolfskehl ist. Es folgen Aufsätze über Walther 206

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