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Der Morgen · 1931-06-01 · Heft 2 (Juni 1931) · p. 205

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
7 (1931-1932)
Issue
Heft 2 (Juni 1931)
Article
[Rezension] / Perles, Felix
Date
1931-06-01
Page
205 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Anzeigen Eine in Kupfer gestochene Estherrolle aus der Universitätsbibliothek in Rostock.Originalgroße Wiedergabe in Lichtdruck herausgegeben und eingeleitet von Siegfried Silberstein, Rostock. In Kommission bei Carl Hinstorffs Verlag I93°- Die vorliegende Lichtdruckwiedergabe einer erst jetzt ans Tageslicht gezogenen, illustrierten Estherrolle ist geeignet, das Interesse weiter Kreise auf die vielfach noch unbekannte Tatsache einer hebräischen Handschriftenillustration zu lenken. Obgleich seit Jahrzehnten schon eine Reihe von Spezialarbeiten darüber existieren — der Herausgeber führt dieselben in der Einleitung an — kann nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, daß das sonst so kunstfeindliche mittelalterliche Judentum Bemerkenswertes auf diesem Gebiete aufzuweisen hat. Zeugen davon sind nicht nur zahlreiche Handschriften der Pessach-Haggada. Selbst ein für den Bildschmuck anscheinend so wenig geeignetes Werk wie der Ritualkodex von Maimonides wurde mit Vorliebe illustriert. Das Buch Esther ist nun ein Stoff, der zur künstlerischen Darstellung förmlich drängte, und so sind naturgemäß schon eine ganze Anzahl illustrierter Handschriften davon gefunden und auch beschrieben worden. Gleichwohl stellt die (aus dem Besitz des i8i5 verstorbenen Orientalisten O. G. Tychsen stammende) Megilla insofern ein Unikum dar, als nicht nur der Bildschmuck, sondern der sonst immer geschriebene Text hier in Kupfer gestochen ist. Auf Grund der Vergleichung mit illustierten Estherrollen aus verschiedenen Ländern verlegt Silberstein ihre Entstehung in das frühe iS. Jahrhundert, ohne jedoch das Herkunftsland mit Sicherheit bestimmen zu können. Über die in ihrer Volkstümlichkeit besonders interessanten Bild- und Dekorationselemente, die, den Text begleitend, teils oben zwischen den Kolumnen, teils unter denselben angebracht sind, wird ausführlich berichtet, und die winzig mitgestochenen Überschriften über den einzelnen Bildern werden zum Schluß in Transkription und Übersetzung mitgeteilt. Ergänzend sei hier nur bemerkt, aus welchem Grunde die (als Bild Nr. 20 der unteren Reihe gebotene) Illustration von 9, 29 noch als weitere Überschrift die Worte 7m]"| "lflD »Krone der Thora" trägt. Das Bild stellt nämlich ganz deutlich eine Vorlesung der Estherrolle in der Synagoge dar, und die beiden Worte sind die Aufschrift des Vorhangs vor der Heiligen Lade. F. Perl es. Aus Geschichte und Leben der Juden in Leipzig. Leipzig ig3o. 80. SS S. Das 75jährige Jubiläum der Leipziger Gemeindesynagoge bietet dem Vorstand der Gemeinde eine willkommene Gelegenheit zur Herausgabe einer Festschrift, die auf die Vergangenheit der Gemeinde und der Synagoge zurückblickt und die gegenwärtige Gemeinde in iher Vielseitigkeit schildert. Die wenigen Nachrichten, die uns über die Gemeinde des späteren Mittelalters seit etwa 1200 und der neueren Zeit bekannt sind, verwertet der Leipziger Gemeinderabbiner Gustav Cohn. Während die meisten deutschen Städte in der Zeit von ca. i5oo—1700 keine Juden in ihren Mauern dulden, halten sich in Leipzig während der Messe viele Hunderte von Juden wochenlang auf und bilden so eine vorübergehende Judensiedlung. Über diese berichtet Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg, der bekanntlich ein eigenes Werk über die Juden als Leipziger Meßgäste herausgegeben hat. Wie es erst im 19. Jahrhundert unter vielen Mühen zu einer eigentlichen Gemeinde gekommen ist, zeigt der Archivar des Gesamtarchivs der deutschen Juden, Dr. Jacobsohn-Berlin. Besonderes Interesse erweckt die Schilderung der gottesdienstlichen Verhältnisse bis zur Einweihung der Synagoge, wiederum von Rabbiner Gustav Cohn. Hier erfahren wir manches über die Geschichte der jüdischen Reformbewegung, die in Leipzig in einer der vielen Messesynagogen eine Stätte und ein Vorbild für kleinere Gemeinden findet. Der Bau des Tempels, die Entwicklung der Gemeinde aus kleinen Anfängen zu einer Großgemeinde von 12 5oo Seelen und ihre jetzige Bedeutung, ihre eigenartige Mischung von Ost und West und ihre gerade dadurch bedingte vorbildlich ausgebaute Wohlfahrtspflege werden ausführlich von Gemeinderabbiner Dr. Felix Goldmann und von Verwaltungsdirektor Gustav Katzenstein geschildert. Dankbar werden die Bilder der Männer und Frauen festgehalten, die als Führer und Helfer ihre besten Kräfte für das Gemeinwohl geopfert haben; unter ihnen seien besonders 205

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